Auf die Größe kommt es (doch) an

Es geht mir in diesem Beitrag heute nicht nur um (Guppy-) Männchen, wie die Überschrift vermuten lassen könnte. Nein, aber in der Tat lässt sich das Thema Selektionsauswahl der Körpergröße am Guppy-Männchen trotzdem recht gut aufzeigen. Um in der Zucht nicht in eine Inzucht-Sackgasse zu geraten ist eines der wichtigsten Kriterien bei der Selektion der Zuchttiere die Körpergröße.

Schaubild der Definition der Körpergröße nach IHS
Schaubild der Definition der Körpergröße nach IHS

Was ist beim Guppy mit der Größe bzw. Körpergröße gemeint? In der Hochzucht wird die Größe des Guppys von der Maulspitze bis zum Schwanzflossenansatz definiert. Die Größe der Schwanzflosse beispielsweise wird nun immer in Relation zu dieser Körpergröße gesetzt. Die Schwanzflosse selbst zählt also bei den Größenangaben des IKGH / IHS nicht dazu.

Im Artikel von Gary Lee ist gut nachzulesen, wie schwierig und mit welchen Aufwand es verbunden ist, wieder eine ansprechende Größe zu erreichen, wenn der Fisch erst einmal kleinwüchsig ist. Auch ich pflegte mit einem reinen Leopard-Stamm einen durch langjährige Inzucht sehr klein (hinsichtlich der Körpergröße) gewordenen Stamm. Selbst die F2 zeigt nach einer Fremdeinkreuzung nur eine eher geringe Körpergröße. Um so wichtiger ist es bei der Auswahl der weiteren Zuchttiere diesbezüglich keine Kompromisse einzugehen. Bereits in der Standardliteratur wie dem „Petzold“ ist im Abschnitt 6.4. nachzulesen „Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, daß stets nur große kräftige Tiere zur Zucht angesetzt werden sollen, da bei diesen am ehesten Gewähr besteht, spätere Schäden durch die notwendig werdende Inzucht zu vermeiden.“

Guppy Männchen Grundfarbe Gold - Platinum Japan Blue mit rotem Mosaik - 4 Monate alt
Guppy Männchen Grundfarbe Gold – Platinum Japan Blue mit rotem Mosaik – 4 Monate alt
Die Versuchung

Immer wieder fallen aber in Nachzucht wirklich wunderbar gefärbte Tiere, welche dem Farbziel der Zucht sehr nahe kommen. Gemeinerweise sind diese auch hinsichtlich der Form häufig recht ansehnlich. Einzig die Größe spielt nicht mit. So auch beim Guppy-Männchen auf den hier gezeigten Bildern. Er ist deutlich kleiner als seine Brüder, aber kommt dem Ziel bei meinem Stamm Platinum Japan Blau mit rotem Mosaik auf der Grundfarbe Gold schon recht nahe.

Ich habe den Fisch aus der weiteren Zucht aber konsequent ausgeschlossen. Die Gefahr einer sukzessiven Verkleinerung des Stammes ist einfach zu groß. Dafür züchte ich einfach mit zu starker Inzucht und diese verzeiht keine Fehler bei der Zuchtauswahl.

Guppy Männchen Grundfarbe Gold - Farblich toll, aber zu kleine Größe
Guppy Männchen Grundfarbe Gold – Farblich toll, aber zu kleine Größe
Warum treten immer wieder solche kleinen Perlen auf ?

In der Regel wächst der Guppy erst recht stark und färbt dann nach und nach aus. Setzt die Ausfärbung schon früher als bei anderen ein, dann bleiben diese Tiere in der Regel klein, da die Futterenergie scheinbar zu früh in die Farbausbildung investiert wird. Hierzu aus dem Buch „Der Guppy – Pflege und Hochzucht“ von Michael Kempkes in Abschnitt „Der Beginn der Zucht – Die Auswahl und Verpaarung der Zuchttiere“: „Einige Fische wachsen schneller als ihre Wurfgeschwister. In der Regel sind aber die Frühentwickler nicht die besten Zuchttiere. Aufgrund der schnellen Ausfärbung bleibt das Wachstum des Körpers zurück.“

Fazit

Wichtig ist meines Erachtens dem Drang mit diesen kleinen Männchen weiterzuzüchten zu widerstehen. Denn es gibt diese schönen Farben und Formen auch bei größeren Tieren, es gilt nur durchzuhalten. Ein großes kräftiges Männchen mit einer tollen Färbung sieht im Vergleich zu so einem kleinen Bruder immer wesentlich schöner und eindrucksvoller aus. Letztlich sind eben diese Tiere das Ziel der organisierten Guppy-Hochzucht und sorgen auch für ein weiteres Fortbestehen des jeweiligen Guppy-Stammes.

Guppy Männchen Grundfarbe Gold – Platinum Japan Blue mit rotem Mosaik – 4 Monate alt

Aktuelles Zuchtmännchen

Dieses Männchen ist eins meiner aktuellen Zuchtmännchen von meinem Guppy-Hochzucht-Stamm Gold Platinum Japan Blau mit rotem Mosaik. Das Bild zeigt ein Männchen im Alter von ca. 6 Monaten der Generation F3. Es ist mir beim Saubermachen ins Auge gefallen und ich habe gerade fasziniert 5 Minuten zugesehen, wie es seine Bahnen gezogen hat. Mehr zum Stamm findet der geneigte Leser in folgenden Beiträgen: Deckfarbe Platinum Japan Blau.

Männchen des Stammes Gold Platinum Japan Blau Rotes Mosaik
Männchen des Stammes Gold Platinum Japan Blau Rotes Mosaik

Update Projekt Lutino

Am 31.03.2020 berichtete ich in einem Beitrag von meinem Projekt Lutino Platinum Japan Blau Rot. Mittlerweile bin ich einen Schritt weiter und der nächsten Ansatz ist gestartet. So bietet sich hier eine Gelegenheit für einen Zwischenstand. Das Projekt selbst braucht sicherlich noch einigen Generationen bis der endgültige Stamm vollständig genetisch abgeschlossen ist. Es ist eben langer Atem erforderlich, aber ich denke das Resultat ist durchaus vielversprechend. Denn auf der Grundfarbe Lutino wirkt das Platinum am Kopfbereich sehr intensiv gelb, das Japan Blau eher silbrig und das Rot sollte in Richtung Orange tendieren. Insbesondere die Körperfarbgebung wird übrigens schon in der nächsten Generation sichtbar.

Das Projekt Lutino im Ansatz zur F2
Platinum Japan Blau - F1 des Projekt Lutino

Im oben erwähnten Beitrag aus 03/2020 habe ich das Projekt Lutino vom Grundkonzept vorgestellt. Heute im Update geht es um die Filialgeneration 1 (F1) und den Ausblick zur F2. Die eigentlich wichtigen Resultate der F1-Generation stellen die Männchen dar.

Diese sind zu 50% Lutino (von den Müttern), aber vom Phänotyp Grau aufgrund der Dominanz von wildgrau. Sie haben jedoch bereits das Platinum Japan Blau vom Vater auf dem Körper. In diesem Zwischenschritt sind die Flossen noch (vom X der Mütter) mit dem Grass-Muster gezeichnet. In der F2 wird nun wichtig, dass Lutino Männchen fallen, diese können dann mit auf Lutino mischerbigen Weibchen oder reinerbigen Lutino-Weibchen des Original Lutino Red Grass Stamm weiter zur F3 verpaart werden. Der Plan ist diesen alten reinen Lutino Red Grass Stamm dann nach und nach durch diese neue Kombination zu ersetzen.

Mit der F2 geht es in den nächsten Schritt

Parallel kann mit den Lutino-Männchen der F2 auch schon der nächste endscheidende Schritt gestartet werden. Die Verpaarung eines solchen Männchens mit einem Weibchen meines Blond Japan Blau Roten Stammes. So sind in der F3 dann hier bereits Männchen zu erwarten, welche dem Endresultat entsprechen, jedoch in wildgrau. Die blonden Weibchen vererben dabei über das X-Chromosom die rote Flossenfarbe, das Lutino-Männchen der F2 bringt das Platinum Japan Blau ein.

Projekt Lutino
Kreuzungsschema-Lutino-Platinum-Japan-Blau-Rot-Teil-1
Ein langer Weg – Bis hin zur F6

Wer denkt nun ist der Lutino-Übergang schnell da, der irrt. Die Weibchen der F3 tragen nämlich X-Rot / X-Grass in sich. Beim Verpaaren der Geschwister der F3 entstehen mit ca. 25% nur recht wenige Lutino-Nachkommen. Da ist es sinnvoller mit einem Lutino Platinum Japan Blau Red Grass Männchen des nun modifizierten Original Stammes weiter zu machen. In der F4 entstehen dann immerhin 50% Lutino-Nachkommen und 50% der Männchen haben die rote Beflossung. Diese Lutino-Männchen mit roten Flossen sind das Endresultat, jedoch benötigen wir noch die Generation F5 und F6, um die Weibchen und damit den Stamm in seiner genetischen Finalform zu erhalten. In der F4 werden die Endresultat-Männchen erneut mit den Original Blond Roten Weibchen verpaart und das gleiche noch einmal mit den Weibchen der entstehenden F5-Weibchen.

Lutino Weibchen - hier wunderbar die weinroten Augen zu erkennen
Lutino Weibchen – hier wunderbar die weinroten Augen zu erkennen

Warum ist das wichtig ? Die Weibchen der F4 sind zwar zu 50% Lutino, aber tragen auch einmal X-Rot und einmal X-Grass oder gleich zweimal ein X-Grass-Chromosom. Damit kann nicht wirklich sinnvoll weiter gemacht werden. Es ist also notwendig ein weiteres Mal auf die Blond Roten Weibchen zurückzugreifen.

Kreuzungsschema-Lutino-Platinum-Japan-Blau-Rot-Teil-2

1. Resultat Einkreuzung Filigran

Heute möchte ich über die überraschenden Resultate meiner Einkreuzung in meinen Hellblauen Filigran Stamm berichten. Wie in meinem Beitrag Einkreuzung Filigran vom 23.05.2020 geschildert, ist mir leider die Genetik des Stammes von Lei Tian aus China nicht bekannt. Den Stamm hatte ich ja vom WGC in Sofia 2019 mitgebracht. Was das fehlende Wissen um die Genetik eines Stammes bedeutet, zeigt sich nun auch im Resultat der ersten Kreuzung in recht eindrucksvoller Art und Weise.

Hauptziel der Einkreuzung

Das Ziel meiner Einkreuzung ist ja meinen Filigran Stamm der Grundfarbe Hellblau zu verbessern. Dazu habe ich einen Stamm gesucht, der ein schönes Filigran zeigt und von kräftigen Wuchs ist. Ich kreuzte ein Männchen des Stammes aus China mit einem Weibchen meines Hellblauen Filigran Stammes. Dabei erwartete ich, bei einem Y-Filigran, eine ebenfalls Filigran gezeichnete F1.

Die Überraschung in der F1

Aber ohne bekannte Genetik gibt es halt auch durchaus spannende Überraschungen. Hier liegt sogar ein besonders spannender Fall vor. Als ich nun vor ein paar Tagen in das F1-Becken schaute, staunte ich nicht schlecht. Kurz überlegte ich sogar, ob ich meine Becken vertauscht hatte. Denn sämtliche bereits ausgefärbten Männchen tragen Platinum Japan Blau mit einer leicht rot gepunkteten Caudale. Einen Stamm den ich selbst ja in ähnliche Form besitze.

Ergebnis der Einkreuzung in der F1
Jungfisch der F1 mit eindeutig Platinum Japan Blau
Des Rätsels Lösung

Scheinbar hat der chinesische Züchter hier einen solchen Stamm mit einem X-Filigran gekreuzt. Dies erklärt auch den gelblichen Ton (Platinum) am Vorderkörper und den blauen Schimmer (Japan Blau) am Hinterkörper durch das Filigran. Interessant finde ich dabei wie stark das Filigran die anderen Deckfarben überdeckt.

Guppy Filigran
Guppy Filigran mit den überdeckten Deckfarben Platinum Japan Blau
Guppy Männchen Platinum Japan Blau Rotes Mosaik
Ein Männchen des von mir gepflegten Stammes Platinum Japan Blau
Weiter geht es

Nun bringt mich diese erste Einkreuzung außer der Erkenntnis um die Genetik nicht wirklich züchterisch weiter. Allerdings ist das Resultat auch ein Fingerzeig für das zu erwartende Ergebnis der nächsten Einkreuzung. Diesmal kreuze ich ein Männchen meines Y-Filigran Stammes der Grundfarbe Hellblau mit einem Weibchen der chinesischen Tiere, welche ja nun offensichtlich ein X-Chromosom mit sich führt. Das Resultat ist dann in der F1 ein mischerbige Tiere bezüglich der Grundfarbe Hellblau mit Phänotyp Grau. Die Guppys tragen nun sowohl auf dem X- als auch auf dem Y-Chromosom das Filigran. Ich werde berichten, was das für den Phänotyp bedeutet.

1. Nachwuchs Platinum Japan Blau Leopard

Es ist soweit ! Ein erster Schritt in Richtung Platinum Japan Blau Leopard ist gemacht. Der Nachwuchs F1 meines Kreuzungsprojekts schwimmt in den Becken. Nach einem Monat färbt bereits ein Männchen aus, so dass das Beitragsbild entstehen konnte. Tatsächlich taucht auch kein Rot in den Männchen der F1 bisher auf.

F1 – Starker Schritt, aber nur der Anfang

Die ersten Bilder belegen dabei, dass der Plan aufgegangen ist und die Männchen der F1 dem Idealbild weitestgehend entsprechen. Die Tiere sind sozusagen das „Endprodukt“ jedoch nur in der Grundfarbe Grau. Nun muss ich das Muster genetisch festigen und auf die Grundfarbe Gold übertragen. Dazu habe ich zwei Linien aufgebaut.

Schema Gold Platinum Japan Blau Leopard
Schema Gold Platinum Japan Blau Leopard
F2 – Teil 1 – Rückkreuzung in die Leopard-Linie

Während bei den Männchen das „Endprodukt“ quasi in der Grundfarbe Grau vorliegt, ist die Gentik der F1-Weibchen etwas komplizierter. Die F1-Weibchen tragen nun je ein Autosom mit der Grundfarbe Gold in sich (wie die Männchen), prägen aber aufgrund des dominanten Grau nur den Phänotyp Grau aus. Auf dem 1. X-Chromosom (Gonosom – Geschlechtschromosom) liegt wie beim Männchen das Gen für die Leopard-Beflossung und auf dem 2. X-Chromosom liegt das Gen für die rote Mosaik-Beflossung. Ziel der 1. Linie ist es aber auch auf den Weibchen einheitlich nur noch Leopard-X-Chromosome zu finden. Das funktioniert mit den Weibchen der F1 nicht, daher kreuze ich die Männchen der F1 mit den reinerbigen Leopard-Weibchen zurück. Die Weibchen der F1 nutze ich wie folgt.

F2 – Teil 2 – Die Grundfarbe Gold ins Spiel bringen

Aus der Linie Gold Platinum Japan Blau Rotes Mosaik nehme ich ein Männchen und paare es mit einem F1-Weibchen. So sollten bei 25% der F2-Männchen folgenden Merkmale kombiniert sein:

1. Grundfarbe Gold
2. Beflossung Leopard

Mit einem solchen Männchen kann ich wunderbar weitermachen mit einem Weibchen aus der F2 im Teil 1. Die F3 würde dann zwar mit großer Wahrscheinlichkeit grau sein, jedoch genetisch mischerbig auf Grundfarbe Gold sein. Damit wäre das „Endprodukt“ im Nachwuchs der F3 erreichbar und auch stabil weiter zu züchten. Das rote Mosaik wäre aus dem Genpool herausgezüchtet und die Grundfarbe Gold Bestandteil der Linie.

Es bleibt festzuhalten, dass sich mit Kenntnissen der Vererbungslehre und des Genpools der Guppys wunderbare Ergebnisse erzielen und vorhersagen lassen.

Guppy Männchen Nachwuchs (F1) Grau Platinum Japan Blau Leopard
Guppy Männchen Nachwuchs (F1) Grau Platinum Japan Blau Leopard

Neue Galerie aus April 2020

Ich habe gerade mit den Kameraeinstellungen herumexperimentiert und es sind einige schöne Aufnahmen bei einer ISO-Einstellung von 1600 entstanden.

  • Guppy Gold Platinum Japan Blau Rotes Mosaik
  • Guppy Lutino Red Grass
  • Guppy Filigran
  • Guppy Blue Grass
  • Guppy Lutino Red Grass
  • Guppy Blue Grass
  • Guppy Blond Japan Blau Rot
  • Guppy Red Grass
  • Guppy Filigran
  • Guppy Red Grass
  • Guppy Lutino Red Grass
  • Guppy Red Grass
  • Guppy Gold Platinum Japan Blau Rotes Mosaik
  • Guppy Lutino Red Grass
  • Guppy Gold Platinum Japan Blau Rotes Mosaik
  • Guppy Filigran
  • Guppy Blue Grass
  • Guppy Gold Platinum Japan Blau Rotes Mosaik
  • Guppy Blue Grass
  • Guppy Red Grass

Kreuzungsexperiment Leopard

Mit diesem Beitrag möchte ich zwei lose Ende im Blog aufgreifen und diese gewissermaßen zusammenführen. Wie im letzten Beitrag darstellt habe ich aktuell auch wieder Kreuzungsexperimente am Laufen. Insgesamt sind es drei Projekte, wobei ich im letzten Beitrag über das meines Erachtens komplexesten berichtet habe. Das zweite aktuelle Projekt ist wie im Beitrag zur Deckfarbe Platinum Japan Blau angedeutet, die Kreuzung von Platinum Japan Blau Rotes Mosaik Männchen mit Leopard Weibchen.

Leopard versus Yellow Grass

Im bisher einzigen Artikel zum Farbschlag habe ich den in meinen Becken schwimmenden Stamm vorgestellt. Aufgrund der eher groben Schwanzflossenflecken habe ich mich entschieden zukünftig von Leopard-Muster, denn von Yellow Grass zu sprechen. Wie im damaligen Artikel geschrieben sind die Verläufe der Bezeichnungen eher fließend und für mich ist in der aktuellen Qualität der Flecken dem Muster so die bessere Beschreibung zugeordnet.

Guppy Männchen Leopard
Guppy Männchen Leopard
Kurze Klärung der Vererbung

Wie im letzten Beitrag dargestellt liegt die Vererbung des Platinum Japan Blau auf dem männlichen Y-Chromosom. Das Leopard Muster ist auf dem weiblichen X-Chromosom verankert, womit bei der Kombination ein Platinum Japan Blau Leopard Guppy entstehen sollte. Ob dies dem Realitätscheck entspricht, wird sich bald zeigen, da der erste Nachwuchs vor einer Woche gefallen ist. Interessant wird auch, ob sich das Rot wirklich vollständig aus der Schwanzflosse entfernen lässt.

Grundfarbe Gold

Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch in Schritt zwei des Kreuzungsvorhabens, denn ich möchte diese Deckfarbe auch wieder auf der seltenen Guppy Grundfarbe Gold haben. Es ist also mit dem einfachen Einkreuzen des Flossenmusters nicht getan, vielmehr muss ich auch wahrscheinlich mehrmals ein goldenes Männchen einkreuzen, damit ich in den Folgegenerationen irgendwann ein Platinum Japan Blau Leopard Männchen der Grundfarbe Gold erhalten kann.

Aktueller Stand

Der erste Schritt ist mit dem grauen Nachwuchs der F1 getan. Im nächsten Schritt kreuze ich dann ein solches Männchen mit einem Leopard-Weibchen zurück. Diese Nachkommen sind dann definitiv sowohl bei den Weibchen, als auch bei den Männchen mit dem Leopard-X-Chromosom ausgestattet. Wenn die Ausfärbung zufriedenstellend ist, werde ich den Ursprungsstamm dann auch auslaufen lassen, da er sehr kleinwüchsig ist und das Muster jederzeit aus einem der Weibchen der neuen Linie gewonnen werden kann.

Idealbild eines Guppy Platinum Japan Blau Leopard der Grundfarbe Gold
Idealbild eines Guppy Platinum Japan Blau Leopard der Grundfarbe Gold

Neues Kreuzungsexperiment

Meine bisherigen Kreuzungsexperimente sind eher im Sande verlaufen, da ich mich in jüngster Vergangenheit mehr für die Verbesserung und Erhaltung bestehender Stämme begeisterte. Nun möchte ich aber meinen vorhandenen Lutino-Stamm neu kreieren. Die Resultate der vergangenen Ansätze brachten mir dafür durchaus einige Erkenntnisse.

Erkenntnisse aus den bisherigen Kreuzungsexperimeten

Im Wesentlichen waren es in der Vergangenheit zwei nennenswerte Experimente. Zum einen sei hier das Kreuzungsexperiment Japan Blau Rot und zum anderen das Kreuzungsexperiment Japan Blau genannt. Trotz bekannter Genetik lehrten mich diese Kreuzungen, dass es immer zu Überlappungen von Mustern kommen kann, so dass es viel Selektionsarbeit in den Folgegenerationen nach den Initialkreuzungen bedarf. Auf keine Fall ist von einem gefestigten Bild nach ein bis zwei Generationen auszugehen. Nach den Initialkreuzungen ist also eher nur erst einmal das Potential der Neukombination zu bewerten. Wichtig ist, dass im folgenden Verlauf auch die Becken für eine Verbesserung des neuen Stammes vorhanden sind. Nun für mein neues Kreuzungsexperiment habe ich drei Becken vorgesehen und mir einen Plan gemacht, wie ich das Ziel erreichen will.

Verbesserung durch einen bestehenden Stamm

Bei den vorangegangenen Experimenten fehlte mir als zweites auch die Möglichkeit die Kreuzungstiere in einen gefestigten Stamm wieder zurück zu kreuzen. Ab der F2 entwickelte es sich so immer wilder und eigentlich gewollte Merkmale konnten nicht gefestigt werden. Daher greife ich bei meinem neuen Kreuzungsexperiment auf bestehende etablierte Stämme zurück.

Lutino Red Grass
Lutino Red Grass
Das Ziel: Lutino Platinum Japan Rot

Als Ausgangbasis dient mein vorhandener Stamm von Lutino Red Grass. Dieser wirkt mir zu blass und das Grass-Muster kommt hier kaum zur Geltung aufgrund des Melanin-Mangels. Da das Lutino aber eine sehr seltene Grundfarbe ist und ich es erhalten möchte, ist hier das Ziel eine andere Kombination auf diese Grundfarbe zu bringen. Die Grundfarbe kommt somit aus meinem Lutino Red Grass Stamm, welcher sich damit dann auch auflösen soll. Das Platinum Japan Blau kommt von meinem Gold Platinum Japan Blau Rot Mosaik Stamm. Da es auf dem Y-Chromosom, also dem männlichen Geschlechtschromosom verankert ist, nehme ich ein solches Männchen. Ich kombiniere es mit einem Lutino Red Grass Weibchen. Wichtig ist mir hier nur, dass die Männchen am Ende das Platinum Japan Blau tragen und die Grundfarbe Lutino haben. Zur Verbesserung und Festigung kann ich somit immer auf die Männchen aus dem vorhandenen Gold Platinum Japan Blau Rot Mosaik Stamm zurückgreifen.

Gold Platinum Japan Blau (Rotes Mosaik)
Gold Platinum Japan Blau (Rotes Mosaik)
Schritt zur roten Beflossung

Den entstandenen Lutino Platinum Japan Blau mit Red Grass Beflossung möchte im zweiten Schritt mit einem Weibchen meines Blond Japan Blau Rot Stamm zu einer roten Rücken- und Schwanzflosse bringen, da das Rot der Beflossung auf dem X-Chromosom liegt. Gleichzeitig hoffe ich die, wie aus den letzten Kreuzungsexperimenten zu vermutende, auf dem Körper durchscheinende Grass-Musterung aus dem Japan Blau zu verdrängen. Auch hier ist durch den vorhandenen Stamm eine permanente Möglichkeit gegeben das Rot immer wieder einzukreuzen. Dies kann erfolgen bis ein gutes Level erreicht ist.

Geheilter Fisch
Blond Japan Blau Rot soll für die rote Beflossung sorgen
Idealisiertes Endbild

Der erste Schritt ist mit der Geburt von den Nachkommen von den Gold Platinum Japan Blau Männchen und den Lutino Red Grass Weibchen gelungen. Zum Abschluss möchte ich noch das idealisierte Endbild eines Lutino Platinum Japan Blau Rot Männchen zeigen.

Angestrebtes Resultat Kreuzungsexperiment : Lutino Platinum Japan Blau Rot
Angestrebtes Resultat Kreuzungsexperiment : Lutino Platinum Japan Blau Rot

Deckfarbe Platinum Japan Blau

Heute möchte ich die faszinierende Deckfarbe Platinum Japan Blau näher vorstellen. Eine Deckfarbe, die eine äußerst spannende Genetik aufweist. Dieser Farbschlag ist eine Kombination aus Metallic (bzw. in Japan Platinum) und Japan Blau (bzw. Aquamarin in Japan). Zuerst möchte ich dabei die einzelnen genetischen Merkmale beleuchten und dann auf die Kombination eingehen.

Platinum bzw. Metallic

Das Platinum ist eine gelblich / grünliche Farbe die den Vorderkörper bis zum Rückenflossenansatz bedeckt. Nach Gernot Kaden (Guppys – Farben, Formen, Fantasien 2018) traten die ersten Guppys dieser Deckfarbe 1986 bei einem österreichischen Züchter auf. Das Gen sitzt auf dem Y-Chromosom und bewirkt interessanterweise mit einem X-Filigran das Galaxy-Muster. Ich verwende lieber die Bezeichnung Platinum als Metallic, da hier meines Erachtens weniger Verwechslungen mit anderen Farbschlägen hinsichtlich der Bezeichnung möglich sind.

Platinum auf Grundfarbe Gold
Platinum auf Grundfarbe Gold
Japan Blau

Japan Blau ist eine eher junge Deckfarbe und fasziniert mit einem metallischen Blau auf dem Körper vom Ansatz der Rückenflosse bis zur Schwanzflosse. Das Japan Blau ist in der Regel auf dem Y-Chromosom lokalisiert, jedoch gibt es auch Stämme die es auf dem X-Chromosom tragen. Nach Gernot Kaden (Guppys – Farben, Formen, Fantasien 2018) und einigen Internetquellen wurden Wildguppys mit Japan Blau 1987 in einem Fluss der japanischen Präfektur Kanagawa gefangen und 1994 dem Fachpublikum vorgestellt.

Japan Blau auf Grundfarbe Blau
Japan Blau auf Grundfarbe Blau
Die Kombination von Platinum Japan Blau

Die Deckfarbenkombination Platinum Japan Blau wird über das Y-Chromosom vererbt. Das heißt, bei meinem Stamm vererbt der Vater auf den Sohn beide Merkmale. Wie ist dies möglich, da eigentlich beide Merkmale getrennt auf verschiedenen Männchen (Stämmen) vorhanden waren? Laut Claus Osche hat der Japaner Taketoshi Sue diese Kombination geschaffen.

Nun ist ja mittels Crossover (mehr dazu hier) bei einigen Stämmen das Japan Blau bereits auf das X-Chromosom gelangt. Vermutlich wurde dieses Japan Blau in weiteren Kreuzungsexperimenten durch erneuten Crossover zurück auf das Y-Chromosom gebracht. Bei diesem Stamm war aber auch das Platinum bereits auf dem Y-Chromosom. So ist es gelungen das eigentlich Unkombinierbare zu kombinieren.

Platinum und Japan Blau auf dem Y-Chromosom
Platinum und Japan Blau auf dem Y-Chromosom
mehr Möglichkeiten durch das X-Chromosom

Wenn schon zwei Farben auf dem Y-Chromosom stecken, dann geht es durch das X-Chromosom noch bunter. Bei meinem Stamm ist das rote Mosaik über das X-Chromosom hinzugefügt worden, so dass ein Männchen auf dem Körper vorne Platinum, hinten Japan Blau und auf den Flossen rotes Mosaik hat. Tobias Bernsee hat das Ganze dann noch auf die Grundfarbe Gold gebracht. Ich selbst plane nun meine Leopard Guppys einzukreuzen. Diese vererben über das X-Chromosom eine gelbe Flosse mit schwarzen Punkten. Damit steht mein neuestes Kreuzungsprojekt, welches ich voraussichtlich schon im Herbst beginne.

Guppy Grundfarbe Gold Platinum Japan Blau Rotes Mosaik
Guppy Grundfarbe Gold Platinum Japan Blau Rotes Mosaik
Quellen

Gernot Kaden – Buch Guppys – Farben, Formen, Fantasien 2018

http://www.guppyseite.de/index.php?content=japanblue

http://www.gkr-forum.de/t2338f168-Japan-Blue.html