Die bakterielle Eingewöhnung

Wer so viele verschiedene Guppy-Stämme in einem Becken halten möchte, wie im Beitragsbild, dem lege ich meinen heutigen Beitrag ans Herz. Er behandelt das Thema Eingewöhnung, Quarantäne und Umsetzen insbesondere von Hochzucht-Guppys durch Kauf oder innerhalb der eigenen Anlage in andere Aquarien. Spätestens beim Kauf eines Hochzucht-Guppys kommen hier bei mir regelmäßig Fragen seitens der Erwerber auf. Und tatsächlich ist das Thema Eingewöhnung bzw. Umsetzen auch eng verzahnt mit dem Thema der bakteriellen Unverträglichkeit oder auch Kreuzverkeimung. Letztlich dient die Eingewöhnung ja der Krankheitsvorbeugung, so dass die Eingewöhnung der Anpassung an die Wasserwerte und insbesondere an die Bakterien des Zielaquariums dient. Daher nenne ich dies auch bakterielle Eingewöhnung.

Bakterielle Unverträglichkeit oder auch Kreuzverkeimung

Wenn ich krankheitsbedingte Fischverluste in den letzten Jahren zu beklagen hatte, dann wahrscheinlich zu 90% aus dieser Ursache heraus. Somit empfehle ich diesem Thema besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Ich verweise hier auf einen bereits vorangegangenen Beitrag. Diesen Beitrag möchte ich nun um meine aktuellen Erkenntnisse erweitern.

Wie in diesem Beitrag vom 22.03.2020 berichtet, gibt es nach meinen Erfahrungen tatsächlich kein 100% heilendes Mittel. Bei dem einen Züchter hilft das Antibiotikum A, beim nächsten Fall dann Mittel B, aber in einem anderen Fall reicht schon starkes Aufsalzen. Eine sichere Variante ist das Einsenden einiger Tiere für eine bakterielle Untersuchung zu einem spezialisierten Tierarzt. Das dann ermittelte Antibiotikum hilft sicher, allerdings heißt das nicht, dass später nicht wieder eine solche Kreuzverkeimung auftreten kann und die ganze Sache ist auch recht kostspielig.

Insbesondere, wenn man Guppys aus diversen Herkunftsquellen hat, dann ist eine solche bakterielle Unverträglichkeit wahrscheinlicher. Aber auch beim Nachkauf des gleichen Stammes beim selben Züchter kann sie beim folgenden Zusammensetzen auftreten. Ich habe es zuletzt sogar erlebt, als ich einen kompletten Pflanzentopf (samt Pflanzeninhalt) von Becken A nach Becken B umgesetzt hatte.

Jedes Aquarium bildet eben nach und nach seinen eigenen Bakterienmix aus. Das Tückische an der bakteriellen Unverträglichkeit ist, dass der Krankheitsverlauf sehr schnell (in 1-7 Tagen) und für den kleinen Organismus des Guppys oft auch tödlich ist.

Ausgezeichnete Erfahrungen habe in den letzten Monaten mit der bakteriellen Eingewöhnung beim Zusammensetzen von Guppys aus verschiedenen Aquarien gemacht. Extrem wichtig ist dies meines Erachtens insbesondere beim Erwerb von Hochzucht-Guppys für ein Gesellschaftsbecken.

Quarantäne

Erhalte ich Fische von außerhalb meiner Anlage, so durchlaufen diese Fische in einem separaten unbepflanzten Frischwasser-Becken mindestens 14 Tage lang eine Quarantäne. In diesem Becken wechsle ich alle 1 – 2 Tage das Wasser und belüfte mittels Sprudelstein. Ich selbst behandle meine Neuzugänge auch mit diversen Mitteln z.B. gegen Würmer oder Hauttrüber. Ich kann leider nicht sicher sein, dass die erworbenen Tiere davon frei sind und aufgrund der Größe meiner Anlage möchte ich jedes Risiko stark reduzieren oder komplett vermeiden. Die Quarantäne dient dazu den Gesundheitszustand der erworbenen Tiere zu kontrollieren und das Einschleppen von Krankheitserregern oder Parasiten zu vermeiden.

Vorbeugen durch bakterielle Eingewöhnung

Wenn der erworbene Bestand nun frei anderen Krankheitserregern (z.B. Würmern) ist, dann führe ich erst jetzt die von mir sogenannte bakterielle Eingewöhnung durch. Dies mache ich mittlerweile auch bei Stämmen aus der eigenen Anlage, welche schon lange kein Kontakt mehr untereinander hatten.

Das Vorgehen ist dabei wie folgt.

Jeden Tag transferiere ich jeden Morgen und Abend Wasser vom Quarantänebecken zum Zielbecken und zurück. Ich nehme dazu einen Becher mit ungefähr 200 ml Inhalt. Am ersten Tag ein Becher am zweiten Tag zwei Becken, ab den fünften Tag verbleibe ich bei fünf Bechern, die gesamte Prozedur praktiziere ich insgesamt 14 Tage lang. In den ersten Tagen der bakteriellen Eingewöhnung ist das Beobachten der Tiere besonders wichtig. Sollten sich Probleme zeigen, ist sofort abzubrechen und eine Behandlung einzuleiten (90% Wasserwechsel, Aufsalzen und/oder Medikamentöse Behandlung). Das hatte ich jedoch noch nicht, kann aber sicherlich vorkommen.

Mit dieser Methode gewöhnen sich die Guppys langsam an den „bakteriellen Cocktail“ des jeweils anderen Aquarium.

Neue Kamera Canon EOS 250D

So schön die Bilder meiner Kompaktkamera Sony Lumix auch waren, so war es auch immer eine Herausforderung ein scharfes Bild zu bekommen. Dies liegt primär an dem langsamen und nicht immer sehr treffsicheren Autofokus. Zugegeben ist die Aquarien-/Fischfotographie auch nicht die einfachste Disziplin für eine Kamera und dann das ganze auch noch beim bewegungsfreudigen Guppy.

Umso mehr freue ich mich über meine neue Kamera, welche mir zu meinem Geburtstag geschenkt wurde. Die Canon EOS 250D bietet einen sehr schnellen Autofokus und schon bei den ersten Aufnahmen gelangen ein paar schöne Bilder. Im Weiteren können Full-HD und sogar 4K-Videos gemacht werden. Wobei insbesondere bei den Full-HD-Videos auch wieder der schnelle Autofokus große Vorteile gegenüber den alten Kameras bieten soll. Dies muss ich jedoch noch austesten. An der Spiegelreflexkamera ist es möglich andere Objektive anzubringen. Dieser Punkt bringt auch das eigentliche Highlight mit sich.

Das Makro-Objektiv

Zu der Kamera bekam ich jedoch noch das eigentliche Highlight – ein Makro-Objektiv von Canon mit 35mm Festbrennweite und einer lichtstarken Blende von f2.8. Da macht das Fotographieren eines Guppys gleich richtig Spaß. Der Autofokus liefert eine sehr hohe Trefferquote und mit der Einstellung Spot bei der Belichtungsmethode gelingen auch sofort sehr gut belichtete Bilder. Folgende Einstellungen nutze ich aktuell: Belichtungsmessmethode (wie gerade geschrieben) Spot, Autofokus Mitte, Blende Auto, ISO Auto und Belichtungsdauer fest auf 1/160, um die Bewegung des Guppys sicher „einzufrieren“.

Vorteil für die Zucht

So ist es mir nun möglich von meinem Zuchtstämmen schnell gute Bilder aufzunehmen, um einen Vergleich zu den vorherigen Generationen zu haben und die besten Tiere auszuwählen. Diese kann ich auf einem Foto noch besser erkennen. Hier sind Fehler und Schwachstellen noch besser als mit bloßem Auge sichtbar. Gerade bei sehr stark durchgezüchteten Stämmen sind die Details zur weiteren Zucht entscheidend. Klingt sicherlich ein wenig übertrieben, geht aber aufgrund der neuen Kamera richtig gut. Und immer dran denken: Ein Hobby ist es ja erst, wenn man es übertreibt!

Neue Kamera - Bild von Blond Japan Blau Rot
Neue Kamera – Bild von Blond Japan Blau Rot

Bakterienunverträglichkeit

Da zur Zeit eine aktuell nicht heilbare Krankheit omnipäsent in Funk und Fernsehen ist, möchte ich in diesem Beitrag meine Lösung zum Thema Bakterienunverträglichkeit bei Guppys vorstellen.

Was ist Bakterienunverträglichkeit ?

Alle Aquarien beinhalten einen eigenen Bakterienmix. Bakterien haben unterschiedlichste Funktionen, wie z.B. bei der Umwandlungskette von Ammonium zu Nitrat. Jeder Fisch trägt dabei selbst auch eine Unzahl an Bakterien in sich. Das Immunsystem passt sich an alle diese Bakterien an, entwickelt entsprechende Antikörper und der jeweilige Fisch bleibt gesund. Die Fische die in einem Aquarium groß werden haben sich dabei langsam an diesen Bakterienmix gewöhnt oder von Ihren Eltern schon einige Abwehrkörper mitbekommen. Wenn der Züchter nun aber Fische von Becken A nach Becken B versetzt und die Fische oder Stämme aus sehr unterschiedlichen Quellen stammen, dann kann es vorkommen, dass nach ein bis zwei Tagen beginnend mit Flossenklemmen das große Sterben losgeht. Dabei sind wahlweise alle Fische, nur die Neuankömmlinge oder sogar nur die Alttiere des Beckens betroffen. Alle drei Varianten habe ich bereits selbst erlebt. Ohne Behandlung sind bei mir in der Regel fast alle betroffenen Tiere verendet.

Generell kann also bei einem schnellen Auftreten von Flossenklemmen, wenn die restlichen Wasserwerte in Ordnung sind, von einer Bakterienunverträglichkeit ausgegangen werden. Ich stellte dabei in der Regel bereits nach 1 – 3 Tagen Flossenklemmen fest. Da Bakterien sich extrem schnell vermehren oder bereits in hoher Zahl im Becken vorhanden sind, überfordern sie das Immunsystem des jeweils nicht darauf konditionierten Fisches. Bei meinen Triangel-Guppys erkenne ich dies wie bereits geschrieben sehr schnell am Flossenklemmen.

Was hilft gegen die Unverträglichkeitsreaktionen ?

Aufgrund meiner Züchtertätigkeit habe ich aus sehr unterschiedlichen Quellen Stämme erhalten und daher öfter mit diesem Problem zu kämpfen gehabt. Ausprobiert habe ich vieles, so zum Beispiel Salzzugabe, täglicher Wasserwechsel zu 80%, UVC-Klärer und so weiter. Keine Maßnahmen hat jedoch 100%ig geholfen und teilweise sind sie für mich als Züchter auch schwer darzustellen. Mein derzeitiges Vorgehen beim Zusammensetzen von unterschiedlichen Stämmen ist wie folgt. Um die Bakterienanzahl für den Neubesatz so gering wie möglich zu halten, wechsele ich vor dem Umsetzen im Zielaquarium ca. 80% des Wassers. In den nächsten drei Tagen beobachte ich ganz genau, ob Flossenklemmen oder a-typisches Verhalten zu erkennen ist.

Vorgehen bei Anzeichen von Bakterienunverträglichkeit
Hilfe bei Bakterienunverträglichkeit

Im Problemfall habe ich sehr positive Erfahrungen mit Ektol bac Plus 250 von JBL gemacht. Die letzten Problemfälle sind alle zu 100% auskuriert worden. Dabei ist meines Erachtens wichtig, sofort bei Unverträglichkeitsanzeichen zu reagieren. Daher ist besonders wichtig in den ersten drei Tagen das Zielbecken aufmerksam im Blick zu haben.

Ein Hinweis noch: Ektol bac färbt sehr stark, daher empfehle ich die Unterlage beim Abmessen und Umfüllen sorgsam zu wählen.

Futtermittel für Guppys

Am 10.08.2019 fand bei mir ein Treffen von Guppy-Enthusiasten statt. Bei ausgelassener Stimmung tauschte man sich aus und es wurde gegrillt. Im Guppytreff Berlin hat Claus Osche bereits einen kleinen Bericht verfasst. Mir geht es heute um die Erkenntnisse aus dem Highlight des Tages, welches der Vortrag über Futtermittel von David Otto von Nutramare war. Gebannt folgten die Anwesenden den Ausführungen und schnell stellte sich eine Diskussion zum Thema Futter ein.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Vortrags

Für mich waren dabei folgende Fakten die wichtigsten zum Thema Futtermittel:

  • Protein-zu-Fett-Verhältnis ideal bei 3:1 bzw. 2:1 (bei jüngeren Guppy auch höher)
  • Weizen mit min. 15% Anteil technisch nötig im Herstellungsprozess
  • Fischmehl ideale Zutat
  • Probiotika überleben die hohen Temperaturen bei der Herstellung nicht
  • Insektenmehl nicht sinnvoller als Fischmehl
  • Astaxanthin als Zusatzstoff für bessere Farbbrillanz
  • Weizenkeime enthalten wichtige Vitamine
  • Ideale Granulatgröße für ältere Guppys 0,5mm – 1 mm und für Jungtiere <0,5 mm

Wieso das Protein-zu-Fett-Verhältnis von 3:1 ? Bei sehr hohen Protein-Anteilen reicht der Brennwert des Futters nicht aus und der Fisch setzt das Protein zu Energie um, dabei entsteht Ammoniak, welches über die Kiemen abgegeben wird. Dies belastet das Wasser und kann die Kiemen entzünden und damit den Guppy nachhaltig schädigen. Wie mir ein befreundeter Guppy-Züchter im Nachgang erzählte, sind bei ihm deshalb schon Tiere gestorben. Die Analyse eines toten Tieres von einer Universität hatte dies damals bestätigt.

Interessant war auch die Diskussion zum Thema Frostfutter. Während David Otto die Vorteile darstellte, kamen im Publikum zahlreiche Stimmen auf, die von negativen Erfahrungen zu berichten wussten. In der Regel ging es dabei um eingeschleppte Parasiten und Krankheiten. Ich verzichte daher auch auf Frostfutter.

Inhaltsstoffe von Futtermittel für Fische
Inhaltsstoffe von Futtermittel für Fische

Unentbehrlich scheint aber die Fütterung mit frisch geschlüpften Artemia zu sein. Die Verfütterung von Lebendfutter ist auch aus Sicht von David Otto das beste für unsere Guppys. Die Artemien sind dabei in den Anfangstagen und -wochen das beste Futtermittel. Aufgrund Ihres hohen Protein-Gehaltes sind m.E. im späteren Verlauf aber andere Futtertiere oder -mittel vorzuziehen.

Vortrag über Fischfutter von David Otto
Vortrag über Fischfutter von David Otto

Wer mehr zum Thema Futtermittel erfahren möchte, kann dies auf den Seiten von nutramare.de. Hier kann auch das von David Otto zusammengestellte Futter Aquarium360 bestellt werden. Seinem Futter wird auch Kräuteröl beigemengt, welches entzündungshemmend wirkt.

Was geschah noch ?

Mein Zuchtraum wurde besichtigt und einige Guppys begutachtet und getauscht.

Blick in meinen Zuchtraum
Blick in meinen Zuchtraum

Ich freue mich über einige neue Guppys von Claus Osche, der mir einige Japan Blau Platinum Rot Mosaik dagelassen hat. Im Weiteren danke ich an dieser Stelle noch einmal Claus herzlich für die Organisation des Treffens.

Guppy Halbschwarz Rot im Beutel
Guppy Halbschwarz Rot im Beutel

Kreuzungsexperiment Japan Blau Rot

Im heutigen Beitrag möchte ich über mein Kreuzungsexperiment mit dem Ziel Blond Japan Blau Rot berichten.

Wie es zu der Kreuzung kam

Aus Schiphorst 2018 habe ich einige Paare mitgebracht. Eins dieser Paare war Blond Filigran Rot vom polnischen Züchter Boguslaw Micinski und schnitt mit einer Bewertung von 122 Punkten bei der Ausstellung ab. Hier die Bilder von Männchen und Weibchen.

Männchen Blond Filigran Rot
Männchen Blond Filigran Rot
Weibchen Blond Rot
Weibchen Blond Rot

In der F1 des Paares waren bis auf ein Männchen nur Weibchen im Wurf gewesen. Das eine Männchen war Vollrot und das Filigran nicht vorhanden. Nun überlegte ich, was ich mit den Weibchen anfangen könnte, denn einen vollroten Stamm wollte ich nicht weiterführen.

Experiment in Richtung Japan Blau Rot

In Schiphorst 2018 war der Ausstellungssieger Blond Japan Blau Rot. Hier einmal das Bild dazu.

Blond Japan Blue Red 126,67 Punkte
Blond Japan Blue Red 126,67 Punkte

Nun hatte ich vollrote blonde Weibchen und erinnerte mich an diesen Farbschlag. Ich kombinierte daher die Weibchen mit meinen Japan Blau Mosaik Männchen. Mit dem Ziel in der F2 wieder blonde möglichst rote Tiere mit Japan Blau zu erhalten. Dabei liegt das Japan Blau auf dem Y-Chromosom des Männchens und die Flossenfärbung (also das Rot bzw. Mosaik) ist häufig auf dem X-Chromosom gelegen. Das Mosaik ist dann über die folgenden Generationen nach und nach aus dem Stamm zu züchten durch entsprechende Auswahl der Zuchttiere. Hier ein Bild der Elterntiere, somit die F1 mit den blonden vollroten Weibchen und die grauen Japan Blau Mosaik Männchen.

Zuchtgruppe des Kreuzungsexperimentes Blond Japan Blau Rot
Ergebnisse aus der F1

Die meisten Tiere der F1 entsprechen dem erwarteten Zielbild eines grauen (mischerbig auf Blond) Japan Blau Körper mit roter Beflossung. Leichte schwarze Flecken vom Mosaik waren auch zu erwarten. Begeistert bin ich dabei vom weit an den Kopf reichenden Japan Blau. Bei den Weibchen war eine Kombination mit Mosaik in den Flossen sehr wahrscheinlich, da ja ein X vom vollroten Stamm und ein X vom Mosaik Stamm kommt. Tatsächlich sind meisten Weibchen mit deutlichen schwarzen Stellen auf den Flossen. Hier gilt es die F2 abzuwarten und gut zu selektieren.

Graues Männchen Japan Blau Rot der F1
Graues Männchen Japan Blau Rot der F1
Graues Weibchen der F1
Graues Weibchen der F1
Die Sonderlinge und Überraschungen der F1

Wie immer bei solchen Kreuzungen fallen auch einige interessante Sonderlinge. So war zu erwarten, dass auch das Japan Blau bei einigen fehlt. Hier im Bild zwei dieser Sonderlinge.

Sonderling ohne Japan Blau mit viel Mosaik
Sonderling ohne Japan Blau mit viel Mosaik
Sonderling ohne Japan Blau mit Tendenz zum Vollrot
Sonderling ohne Japan Blau mit Tendenz zum Vollrot

Dieser Wegfall vom Japan Blau hatte ich schon bei anderen Kreuzungen beobachten können (Siehe Beitrag Mosaik). Die nachfolgenden Sonderlinge überraschten mich dann doch. Einige Männchen hatten auf einmal Filigran auf dem Körper. Hierzu zwei Bilder.

F1-Männchen ohne Japan Blau aber mit Filigran
F1-Männchen ohne Japan Blau aber mit Filigran
F1-Männchen mit Japan Blau und Filigran
F1-Männchen mit Japan Blau und Filigran

Das Filigran muss über ein X-Chromosom von den blonden vollroten Weibchen an dieses Tier weitergegeben worden sein. Da nur ein vollrotes Männchen vorhanden war, hatte ich an diese Möglichkeit nicht mehr gedacht und war sehr überrascht.

Insgesamt finde ich den erwarteten Farbschlag in Grau mit den roten Flossen sehr schön und doch reizt mich die Kombination im dem Filigran so weit, dass ich zumindest sehen will, wie dieses Männchen in zwei bis drei Monaten aussieht. So hat es ein separates Becken erhalten und ich werde berichten, ob ich mit diesem Sonderling vielleicht auch weitermache.

Update Herdenzucht

In der letzten Zeit erreichten mich einige Fragen zu der von mir verwendeten Zuchtmethode Herdenzucht. Hinzu kommen einige Erkenntnisse zum Selektionsvorgehen in den aktuellen Zuchtgenerationen. Daher habe ich die Seite „Zuchtmethode“ aktualisiert und dokumentiere hier die Erkenntnisse bzw. nehme zu den eingegangenen Fragen Stellung.

Gibt es die eine Zuchtmethode ?

Sicher nicht. Jeder Züchter nimmt die ihm angenehmste unter Berücksichtigung seiner Erfahrungen und dem Stand des jeweiligen Zuchtstammes. Ich nutze die Herdenzucht, um das Maximum aus meiner Beckenanzahl zu erreichen, dabei nehme ich die Nachteile billigend in Kauf. Wichtig ist es natürlich dabei um die Nachteile zu wissen. Aus meiner Sicht überwiegen jedoch die Vorteile. So ist eine Zucht von Albinos oder Lutinos durch das Zusammenhalten von Weibchen und Männchen trotz der schnellen Unfruchtbarkeiten bei den Männchen durch die Herdenzucht deutlich besser möglich. Gerne verweise ich auf einen Artikel von Claus Osche zum Thema Albinozucht.

In welchen Becken wende ich die Zuchtmethode an ?

Ich verwende die Zuchtmethode in jeder Beckengröße, somit aktuell von 20 Liter bis 260 Liter an. Dabei passe ich die Anzahl der am Ende verwendeten Zuchttiere der Beckengröße an. Bei mir sind es im Minimum 4-5 Weibchen und 3-5 Männchen. Bei meinem größten Becken mit 260 Litern, habe ich als Ziel maximal 15 Weibchen und 15 Männchen für die Zuchtgruppe nach 3 – 3,5 Monaten.

Wie viele Becken nehme ich pro Zuchtlinie ?

Ich verwende die Herdenzucht ja vorwiegend deswegen, weil nur ein einziges Becken pro Linie benötigt wird. Sinnvoll ist es natürlich pro Stamm mehrere Linien (Becken) zu führen. Dabei strebe ich pro Stamm / Farbschlag minimal drei Linien an.

Was passiert mit den nicht mehr benötigten oder von der Zucht ausgeschlossenen Tieren ?

Die letzten Worte des Guppyzüchters sind nicht umsonst „Mehr Becken“. Bei mir werden die nicht mehr verwendeten Alttiere oder von der Weiterzucht ausgeschlossenen Guppys verfüttert bzw. mit Nelkenöl eingeschläfert. Einige Alttiere werden auf Wunsch auch verkauft oder sind dann auf Ausstellungen zu sehen.

Die Vorselektionen

Wie im vorangegangenen Beitrag beschrieben sind die Negativselektionen ähnlich wichtig, wie die abschließende Selektion zur endgültigen Zuchtgruppe. Bei der Herdenzucht gibt es häufig viele Nachkommen. Um so wichtiger ist nach meinen aktuellen Erfahrungen die Nachkommenschaft schnell zu reduzieren. Dabei habe ich anfangs noch auf die Farbausprägung nach ca. 2 – 3 Monaten gewartet. Dies geht jedoch je nach Anzahl der Nachkommenschaft deutlich zu Lasten des Wachstums. So nehme ich nunmehr nach einem Monat bei gut durchgezüchteten Linien eine deutliche Reduzierung schlicht nach Größe vor, denn die kleineren am Ende meist schmächtigeren Tiere schloss ich in der Regel ohnehin von der Weiterzucht aus. Bei Kreuzungsexperimenten lassen ich jedoch meist alle Männchen auf ein Alter von zwei Monaten kommen, da hier die Größe nicht so wichtig wie die richtige Merkmalkombination ist.

Negativselektion Beispiel Red Grass

In meinem Beitrag vom 23.02.2019 zum Thema Selektion habe ich mein Vorgehen näher dargestellt. Heute möchte ich diesen Beitrag mit einem konkreten Beispiel einer Negativselektion bei meiner Linie Red Grass abrunden.

Die Selektion der Zuchttiere ist bei der Herdenzucht regelmäßig durchzuführen. Dabei ist es entscheidend möglichst früh Tiere, welche in keinem Fall dem Zuchtziel entsprechen aus der Zuchtherde zu entfernen. Denn mit einer kleinen prozentualen Wahrscheinlichkeit geben diese Tiere sonst Ihre Gene über die später ausgewählten Zuchtweibchen weiter. Dazu müssen sie nur diese Weibchen frühzeitig in der Herde befruchten.

Grundsätzlich ist die Genvielfalt in der Herdenzucht gewollt, allerdings eben nicht von Tieren, welche sehr weit vom Zuchtziel entfernt sind oder augenfällig negative Eigenschaften aufweisen.

Beispiel Negativselektion nach zwei Monaten

Nach zwei Monaten sind bei den meisten Männchen bereits gut die Färbung und Flossenformen zu erkennen. Dies gilt zumindest für meinen grauen Red Grass Triangel Stamm. Im folgenden Bild ist ein Beispiel für gute Zuchtvoraussetzungen zu sehen. Hier ist Färbung und die Flossenform (Hinweis: Schwanzflosse im Foto nicht optimal sichtbar) im Ansatz sehr aussichtsreich. In diesem Alter benötigt man schon gute Kenntnis des zu selektierenden Stammes, um eine richtige Einschätzung treffen zu können. Insbesondere die Rückenflosse fällt sehr positiv ins Auge, da diese bei meinen ursprünglichen Red Grass immer nicht die richtige IHS-Form hatte.

Männchen Red Grass mit zwei Monaten
Männchen Red Grass mit zwei Monaten
Näheres zum Stamm

Der Stamm ist durch eine Kreuzung meines alten Blue Grass Stammes mit Lutino Weibchen entstanden. Mehr kann hierzu in den Artikeln zum dem Projekt Rückenflosse entnommen werden. So fallen aktuell in dieser Linie auch immer noch Lutino Guppys. Die Linie dient denn auch als Backup für meine Lutino und Albino Red Grass Linien. Bei der Selektion achte ich im Weiteren auch immer besonders auf die Rückenflossenform.

Was wird konkret aussortiert ?

Die Flossenformen in der F3 sind durchaus ansehnlich. Selektiert habe ich daher eher die farblich fehlerhaften Tiere. Hier ein Tier mit deutlich zu vielen schwarzen Punkten in der Schwanzflosse. Auch das Rot ist nicht stark ausgeprägt im Vergleich zu den besseren Männchen.

Guppy Männchen Red Grass mit zuviel schwarzen Punkten
Guppy Männchen Red Grass mit zuviel schwarzen Punkten

Bei den folgenden Männchen fehlt teilweise die komplette Pigmentierung in der Schwanzflosse. Dies gab es im alten Blue Grass Stamm nicht und ist scheinbar über die Lutino Guppys eingekreuzt worden. Beim ersten Männchen deutet sich sogar ein Doppelschwert an.

Männchen Red Grass mit fehlender Pigmentierung in der Caudale
Männchen Red Grass mit fehlender Pigmentierung in der Caudale
Männchen Red Grass mit fehlender Pigmentierung in der Caudale
Männchen Red Grass mit fehlender Pigmentierung in der Caudale

Ich denke mit diesen zwei Beispielen ist deutlich nachzuvollziehen auf welche Kriterien ich bei einer Negativselektion achte. Weitere sind Form der Flossen, Verlauf der Rücken- und Bauchlinie und schlicht die Größe der Tiere.

Gold Platinum Japan Blau Mosaik

Alter 3 Monate

Hier ein kleiner Einblick in eine meiner aktuellen Linien. Es handelt sich um die Grundfarbe Gold. Der Farbschlag ist Platinum, Japan Blau und die Rückenflosse rotes Mosaik. Diesen schönen Farbschlag hat Tobias Bernsee gezüchtet und ich möchte ihn erhalten und weiter in Richtung Ausstellungsreife entwickeln.