Zuchtmethode - Zuchtherde im Alter von ca. 1 Monat

Zuchtmethode

Welche Zuchtmethoden gibt es und welche nutze ich ?

Die Linienzucht

In der Fachliteratur (z.B. „Der Guppy: Pflege und Hochzucht“ von Michael Kempkens Seite 82 oder in „Der Guppy“ von Hans-Günter Petzold Seite 127) wird zum Thema Zuchtmethoden insbesondere die Linienzucht vorgestellt. Neben Geschlechtertrennung ist die Kenntnis von Mutter und Vater des Nachwuchses der wichtigste Aspekt dieser Zuchtmethode. Hier sind in kürzester Zeit gute Resultate in Richtung Zuchtziel erreichbar. Sogar ein exakter Stammbaum ist möglich, um kleinste Details in der Zucht nachzuvollziehen. Der Nachteil dieser Methodik liegt im sehr hohen Beckenbedarf (mindestens 4 Becken pro Linie) und in der schnell abnehmenden genetischen Variabilität der Fische in den einzelnen Linien.

Hierzu verweise ich auf den Artikel „Genetische Variabilität in Guppyzucht“ von Hakan Turesson. Das Fazit aus diesem Artikel ist, dass die genetische Variabilität bei kleinen Wurfansätzen sehr schnell abnimmt. Einher geht damit eine größere Krankheitsanfälligkeit, sinkende Vitalität und gegebenenfalls sogar Unfruchtbarkeit. Um diese Faktoren abzumildern werden die Linien regelmäßig miteinander gekreuzt. Da meine Anlage derzeit nur wenige Becken umfasst, benötige ich eine Beckensparsamere Zuchtmethode.

Die Schwarmzucht

Diese Zuchtform scheint hervorragend geeignet, um dem Problem der abnehmenden genetischen Variabilität entgegenzuwirken bei gleichzeitig geringem Beckenaufwand. Echte Schwarmzucht bedeutet, dass verschiedenste Generationen und beide Geschlechter in einem Becken schwimmen. Nach meinen praktischen Erfahrungen bringt diese Zuchtmethode folgende Herausforderungen mit sich:

  • Da die Generationen gemischt sind, ist es sehr schwer zu selektieren, ob ein Tier nun älter und klein oder jung ist.
  • In der Praxis neigten bei mir die jüngeren Tiere durchaus dazu am Behang der älteren Tiere zu knabbern.
  • Bei dieser Zuchtmethode ist nicht klar wer die Eltern des Nachwuchses sind.
  • Auch gingen bei mir zahlreiche Jungtiere durch die Fresslust der älteren Weibchen verloren. Dichterer Pflanzenbewuchs kann dies sicherlich verhindern, aber dann wird die Selektion wiederum erschwert.

In etwas abgewandelter Form scheint die Schwarmzucht aber recht erfolgreich zu sein. Ich verweise daher auf den Artikel „Das Züchten von Guppys im Schwarm“ von Michael Kempkens im GKR-Forum.

Wolfsche Zuchtmethode

Sie liegt irgendwo zwischen Linien- und Schwarmzucht. Auch hier sind die Eltern des Nachwuchses nicht bekannt. Bei der Wolfschen Zuchtmethode benötigt man auch verschiedene Aufzuchtbecken und die Geschlechter wachsen getrennt von einander auf, sie ist aber deutlich weniger „Beckenintensiv“ als die Linienzucht. Mehr dazu im Artikel von Annett Wolf.

Herdenzucht – Meine Zuchtmethode

Bisher habe ich auch nach der Wolfschen Zuchtmethode gezüchtet. Einen Versuch mit der Schwarmzucht habe ich schnell nach den oben geschilderten Problemen hinsichtlich der Selektion im Schwarm schnell wieder eingestellt. Dennoch war das Ziel meine Becken optimaler zu nutzen nach wie vor präsent. Nach Studium der Artikel von Hakan Turesson zur „Genetischen Variabilität in der Guppyzucht“, „Die Vorteile Guppyweibchen mit mehreren Männchen zu verpaaren“ und dem Artikel „Das Züchten vom Guppys im Schwarm“ von Michael Kempkens habe ich meine von mir so benannte Herdenzucht in Anlehnung an die Wolfsche Zuchtmethode erdacht.

Sie kommt der Schwarmzucht schon sehr nahe, löst aber das Problem mit der Selektion der Jungtiere (ohne ein weiteres Männchen-Becken). Hier das Vorgehen:

  • Ausgangslage sind je nach Beckengröße 4 – 15 Weibchen und 3 – 15 Männchen (einer Generation). Bei 54 Liter z.B. je 8 Weibchen und Männchen.
  • Diese werden in einem Becken gehalten.
  • Nach 5,5 Monaten werden die Männchen entfernt und die Weibchen nun in einem Ablaichkorb zum Schutz der Jungtiere gehalten.
  • Mit Ablauf von 14 – 28 Tagen (je nach Wurfstärken) werden die Weibchen aus dem Becken entfernt und alle Jungtiere aus dieser Zeit bleiben im Becken.
  • Nach dem ersten Monat ist nach Größe zu selektieren und die Anzahl auf das zwei- bis dreifache der gewünschten Zuchtgruppengröße zu begrenzen. Dies ist sehr wichtig, um die verbleibende Fische mit mehr Platz und Nahrung zu versorgen. Mehr dazu im Beitrag zur Vorselektion. Bei Kreuzungsexperimenten empfiehlt es sich diesen Schritt auszulassen.
  • Mit Ablauf des zweiten Monats gilt es nach der Größe, Form und anfänglicher Farbe die Tiere, welche auf keinen Fall zur Weiterzucht in Frage kommen, auszuschließen. Hierzu sind gute Kenntnisse über die Form- und Farbentwicklung des Stammes nötig.
  • Nach 3 Monaten wird nun innerhalb von 14 Tagen wieder auf die gewünschte Zuchtgruppegröße z.B. 8 Weibchen und 8 Männchen runterselektiert. Wobei ich manchmal ein bis zwei Reserveweibchen mit im Becken halte.
  • Jetzt beginnt der Kreis von vorn.
Welche Vorteile bietet mir diese Zuchtmethode ?
  1. Weniger Becken im Einsatz geht nicht – dies wiegt auch die Nachteile auf.
  2. Alle Nachkommen sind im ähnlichen Alter, die Selektion fällt deutlich leichter als im Schwarm.
  3. Das Weibchen hat eine Auswahl, damit sind gesündere und mehr Jungen zu erwarten.
  4. Die genetische Variabilität bleibt erhalten und am Ende sollte ein schöneres Resultat als bei starker Inzucht möglich sein.
  5. Ein Einkreuzen ist über viele Generationen nicht nötig (nach meinen Recherchen deutlich größer 10 Jahre bei 2 Generationen pro Jahr).
  6. Es wird erst der 3 – 4 Wurf der Weibchen genutzt, dies sind in den gängigen Statistiken die Würfe mit den meisten Nachkommen.
  7. Es sind in der Regel Tiere für die Weitergabe und Ausstellungen übrig.
  8. Die Weibliche Wahl findet Beachtung.
  9. Da man nun etwas mehr Becken frei hat, kann man auch einen Ansatz extra für ein Ausstellungszeitraum nutzen.
  10. Durch das Zusammenleben von Männchen und Weibchen kann nach natürlichem Verhalten, Vitalität und Balzverhalten selektiert werden.
Die Nachteile

Wo Licht ist, ist auch Schatten.

Der Hauptnachteil ist dabei meines Erachtens, dass nicht mit jungfräulichen Guppys gezüchtet wird, wobei gerade in den ersten drei Monaten auch Männchen zum Zuge kommen können die am Ende ausselektiert wurden. Hierzu sei darauf hingewiesen, dass die übriggebliebenen und damit gewünschten Männchen jedoch nach den 3 Monaten mindestens zweimal nachbefruchten können. Beim Guppy ist es bekanntermaßen so, dass neue Spermien vorrangig zum Zuge kommen bei der Befruchtung. Und selbst im Falle, dass wir von einem aussortiertes Männchen Nachkommen bekommen, dann können wir zumindest sicher sein, dass es sehr vital war und das Weibchen es ausgewählt hat.

Folgende weitere Nachteile sind mir bisher aufgefallen:

  1. Die Zwischenwürfe sind permanent aus den Becken wegzufangen. Dies bedeutet viel Arbeit und fällt beim Züchten mit jungfräulichen Guppys nicht an.
  2. Die Qualität der Fische ist recht früh im dritten Monat zu beurteilen. Hier ist Erfahrung beim Selektieren nötig.
  3. Vater und Mutter der Jungen sind nicht bekannt.
  4. Das Zuchtziel erreicht man sicherlich deutlich langsamer im Vergleich zur Linienzucht.
  5. Im Gegensatz zur Wolfschen Zuchtmethode muss man etwas länger warten mit dem neuen Ansatz.
Fazit

Diese Methode wird in den Grundzügen bereits in „Der Guppy“ von Hans-Günter Petzold auf Seite 127) beschrieben. Dies erschloss sich mir erst, als ich die Passagen noch einmal nachgelesen hatte. Ich erfinde hier also das Rad nicht neu, aber stelle es mit mehr Hintergrund und in detaillierter und praxisnaher Form dar.

Dabei hatte ich die Zuchtmethode erst „Großgruppenzucht“ für mich genannt, aber der im Petzold verwendete Begriff „Herdenzucht“ ist kürzer und genauso prägnant.

Letztes Update am 16.03.2019