Modifikationen in der Herdenzucht

Teil 1

Meine aktuell stärkere Konzentration hin zur Ausstellungszucht macht einige Modifikationen bei der Anwendung der Herdenzucht nötig. Eine höhere Beckenanzahl bei gleichzeitiger Konsolidierung der Anzahl meiner Zuchtstämme begünstigt dabei eine modifizierte Vorgehensweisen.

Aktuelles Herdenzuchtkonzept

Das bisher beschriebene Konzept der Herdenzucht hat für die konsequente Verbesserung einer Linie durchaus Nachteile. Dies kristallisierte sich durch meine zunehmende Fokussierung auf die Ausstellungszucht und zahlreiche leider nicht darstellbaren Anfragen nach Abgabe von Tieren heraus.

Auswahl der Zuchttiere

Dabei ist die Achillesferse für die Ausstellungszucht, dass die Tiere primär im Alter von ca. 4-6 Monaten für die Zucht ausgesucht werden. Auch wenn ich die Linie sehr gut kenne, sind dabei einige Faktoren nicht gut vorauszusehen gewesen. So entwickeln einige Männchen im späteren Alter aus einem sehr guten Triangel eine konvexe Form, da die mittleren Flossenstrahlen der Caudale weiter wachsen. Dies ist erst im späteren Alter zu erkennen. Die Ausstellungstiere haben beim Triangel bei mir in der Regel ein Alter von 6 – 8 Monaten. Es ist somit wichtig Männchen in der Zucht anzusetzen, welche auch im höheren Alter einen guten Triangel behalten.

Anders wiederum ist es beispielsweise bei meinem Halbschwarz Weißen Stamm so, dass im höheren Alter einige Tiere einen durchsichtigen leichten roten Flossensaum oder leichte Fehlfarben in der Caudale entwickelt haben. Andere zeigen kaum durchsichtige Flossenränder. Diese Männchen sind natürlich zu bevorzugen. Die bisherige Anwendung der Herdenzucht scheint die beschriebene Fehlentwicklung leider begünstigt zu haben.

Tiere zur Abgabe

Bei der bisherigen Anwendung der Herdenzucht stehen nur in einem eher engen Zeitfenster genügend Tiere für eine möglich Abgabe zur Verfügung. Das schränkt die Möglichkeiten doch recht stark ein und ist auch ein Grund weshalb ich Modifikationen vornehmen wollte. Die bisherige Strategie bietet sich jedoch immer noch an, wenn mit wenig Beckenaufwand ein Gen erhalten werden soll und die Flossenform nicht im Hauptfokus liegt.

Die Modifikationen im Detail

Ich bin nun dazu übergegangen für jede Linie drei Becken zu nutzen. Dabei ist im größten Becken die Zuchtgruppe untergebracht, die in der Regel aus bis zu 8 Weibchen und maximal die gleiche Anzahl Männchen der vorhandenen Weibchen besteht. Diese Zuchtgruppe lasse ich im Laichkorb alle 2 Monate werfen und gebe den Nachwuchs in eins von zwei Nachzuchtbecken. Nach 4 Monaten suche ich die bis dahin besten Tiere für die Verstärkung der Zuchtgruppe aus dem älteren Ansatz dieser Nachzuchtbecken aus. Der nicht genutzte Rest dieses Nachzuchtbeckens wird ausselektiert. Das nunmehr freie Becken erhält den neuen Nachwuchs der Zuchtgruppe.

Die Vor- und Nachteile der Modifikationen werde ich im nächsten Beitrag beleuchten.

Neuer Ablaichkorb

Inspiriert von meinem Aufenthalt in der Fischzuchtfarm im Rahmen des World Guppy Contest in Bulgarien habe ich nun einen neuen Ablaichkorb-Typus bei mir in der Anlage im Einsatz.

Erfahrungen aus Bulgarien

Bei meinem Ausflug zu einer Fischzuchtfarm konnte ich feststellen, dass hier zur Vermehrung der Guppys die gleichen Maschengewebe wie bei mir zum Einsatz kommen.

Ablaichkorb in bulgarischer Fischzuchtfarm
Ablaichkorb in bulgarischer Fischzuchtfarm

Dabei schwimmen die Elterntiere in einem viereckigen Korb und der Nachwuchs kann ins restliche Becken entweichen, wo ihm nicht nachgestellt werden kann. Auch hier findet Kabelbinder zum Verknüpfen des Maschengewebes seine Verwendung.

Bisheriger Ablaichkorb

Der bisherige Ablaichkorb wird nur an einer Seite durch einen Kabelbilder zusammengehalten. Da er zu einer Seite offen ist, fällt einem das Beobachten der Elterntiere leicht. Als Nachteil haben sich ab und zu bei kleineren Elterntiere eventuelle Lücken zwischen Scheibe und Korb herausgestellt. Dies ließ sich in der Regel jedoch noch mit einem beschwerenden Stein im Korb beheben. Ab einer bestimmten Größe machte das alte Design aber einige Probleme. Es ist dann schlicht zu instabil. Daher hatte ich auch die Seite die normalerweise zur Scheiben offen ist geschlossen mit einem Kabelbinder, dann verkleinert sich aber die Schwimmfläche für die Elterntiere recht stark, so dass ich mit dieser Variante nicht wirklich zufrieden war.

Ein Ablaichkorb Marke Eigenbau
Ein Ablaichkorb Marke Eigenbau
Neuer Ablaichkorb

Der neue Korb ist das aufwändiger, bietet jedoch eine größere Schwimmfläche und hält auch in größerer Variante gut. Durch die viereckige Form ist es für die Elterntiere wie ein Becken im Becken. Nun kann ich auch den Ablaichkorb ideal für jedes Becken anpassen. Negativ ist, dass die Elterntiere nicht mehr so gut zu beobachten sind, dafür ist das Problem mit den Lücken an der Scheibe auch nicht mehr existent.

Ablaichkorb - neue Variante
Ablaichkorb – neue Variante

Ich benutze nun für keine Zuchtansätze noch die Variante mit offener Seite zur Scheibe. Für größere Ansätze kommt ausschließlich der neue Typus zum Einsatz.

Update Herdenzucht

In der letzten Zeit erreichten mich einige Fragen zu der von mir verwendeten Zuchtmethode Herdenzucht. Hinzu kommen einige Erkenntnisse zum Selektionsvorgehen in den aktuellen Zuchtgenerationen. Daher habe ich die Seite „Zuchtmethode“ aktualisiert und dokumentiere hier die Erkenntnisse bzw. nehme zu den eingegangenen Fragen Stellung.

Gibt es die eine Zuchtmethode ?

Sicher nicht. Jeder Züchter nimmt die ihm angenehmste unter Berücksichtigung seiner Erfahrungen und dem Stand des jeweiligen Zuchtstammes. Ich nutze die Herdenzucht, um das Maximum aus meiner Beckenanzahl zu erreichen, dabei nehme ich die Nachteile billigend in Kauf. Wichtig ist es natürlich dabei um die Nachteile zu wissen. Aus meiner Sicht überwiegen jedoch die Vorteile. So ist eine Zucht von Albinos oder Lutinos durch das Zusammenhalten von Weibchen und Männchen trotz der schnellen Unfruchtbarkeiten bei den Männchen durch die Herdenzucht deutlich besser möglich. Gerne verweise ich auf einen Artikel von Claus Osche zum Thema Albinozucht.

In welchen Becken wende ich die Zuchtmethode an ?

Ich verwende die Zuchtmethode in jeder Beckengröße, somit aktuell von 20 Liter bis 260 Liter an. Dabei passe ich die Anzahl der am Ende verwendeten Zuchttiere der Beckengröße an. Bei mir sind es im Minimum 4-5 Weibchen und 3-5 Männchen. Bei meinem größten Becken mit 260 Litern, habe ich als Ziel maximal 15 Weibchen und 15 Männchen für die Zuchtgruppe nach 3 – 3,5 Monaten.

Wie viele Becken nehme ich pro Zuchtlinie ?

Ich verwende die Herdenzucht ja vorwiegend deswegen, weil nur ein einziges Becken pro Linie benötigt wird. Sinnvoll ist es natürlich pro Stamm mehrere Linien (Becken) zu führen. Dabei strebe ich pro Stamm / Farbschlag minimal drei Linien an.

Was passiert mit den nicht mehr benötigten oder von der Zucht ausgeschlossenen Tieren ?

Die letzten Worte des Guppyzüchters sind nicht umsonst „Mehr Becken“. Bei mir werden die nicht mehr verwendeten Alttiere oder von der Weiterzucht ausgeschlossenen Guppys verfüttert bzw. mit Nelkenöl eingeschläfert. Einige Alttiere werden auf Wunsch auch verkauft oder sind dann auf Ausstellungen zu sehen.

Die Vorselektionen

Wie im vorangegangenen Beitrag beschrieben sind die Negativselektionen ähnlich wichtig, wie die abschließende Selektion zur endgültigen Zuchtgruppe. Bei der Herdenzucht gibt es häufig viele Nachkommen. Um so wichtiger ist nach meinen aktuellen Erfahrungen die Nachkommenschaft schnell zu reduzieren. Dabei habe ich anfangs noch auf die Farbausprägung nach ca. 2 – 3 Monaten gewartet. Dies geht jedoch je nach Anzahl der Nachkommenschaft deutlich zu Lasten des Wachstums. So nehme ich nunmehr nach einem Monat bei gut durchgezüchteten Linien eine deutliche Reduzierung schlicht nach Größe vor, denn die kleineren am Ende meist schmächtigeren Tiere schloss ich in der Regel ohnehin von der Weiterzucht aus. Bei Kreuzungsexperimenten lassen ich jedoch meist alle Männchen auf ein Alter von zwei Monaten kommen, da hier die Größe nicht so wichtig wie die richtige Merkmalkombination ist.

Negativselektion Beispiel Red Grass

In meinem Beitrag vom 23.02.2019 zum Thema Selektion habe ich mein Vorgehen näher dargestellt. Heute möchte ich diesen Beitrag mit einem konkreten Beispiel einer Negativselektion bei meiner Linie Red Grass abrunden.

Die Selektion der Zuchttiere ist bei der Herdenzucht regelmäßig durchzuführen. Dabei ist es entscheidend möglichst früh Tiere, welche in keinem Fall dem Zuchtziel entsprechen aus der Zuchtherde zu entfernen. Denn mit einer kleinen prozentualen Wahrscheinlichkeit geben diese Tiere sonst Ihre Gene über die später ausgewählten Zuchtweibchen weiter. Dazu müssen sie nur diese Weibchen frühzeitig in der Herde befruchten.

Grundsätzlich ist die Genvielfalt in der Herdenzucht gewollt, allerdings eben nicht von Tieren, welche sehr weit vom Zuchtziel entfernt sind oder augenfällig negative Eigenschaften aufweisen.

Beispiel Negativselektion nach zwei Monaten

Nach zwei Monaten sind bei den meisten Männchen bereits gut die Färbung und Flossenformen zu erkennen. Dies gilt zumindest für meinen grauen Red Grass Triangel Stamm. Im folgenden Bild ist ein Beispiel für gute Zuchtvoraussetzungen zu sehen. Hier ist Färbung und die Flossenform (Hinweis: Schwanzflosse im Foto nicht optimal sichtbar) im Ansatz sehr aussichtsreich. In diesem Alter benötigt man schon gute Kenntnis des zu selektierenden Stammes, um eine richtige Einschätzung treffen zu können. Insbesondere die Rückenflosse fällt sehr positiv ins Auge, da diese bei meinen ursprünglichen Red Grass immer nicht die richtige IHS-Form hatte.

Männchen Red Grass mit zwei Monaten
Männchen Red Grass mit zwei Monaten
Näheres zum Stamm

Der Stamm ist durch eine Kreuzung meines alten Blue Grass Stammes mit Lutino Weibchen entstanden. Mehr kann hierzu in den Artikeln zum dem Projekt Rückenflosse entnommen werden. So fallen aktuell in dieser Linie auch immer noch Lutino Guppys. Die Linie dient denn auch als Backup für meine Lutino und Albino Red Grass Linien. Bei der Selektion achte ich im Weiteren auch immer besonders auf die Rückenflossenform.

Was wird konkret aussortiert ?

Die Flossenformen in der F3 sind durchaus ansehnlich. Selektiert habe ich daher eher die farblich fehlerhaften Tiere. Hier ein Tier mit deutlich zu vielen schwarzen Punkten in der Schwanzflosse. Auch das Rot ist nicht stark ausgeprägt im Vergleich zu den besseren Männchen.

Guppy Männchen Red Grass mit zuviel schwarzen Punkten
Guppy Männchen Red Grass mit zuviel schwarzen Punkten

Bei den folgenden Männchen fehlt teilweise die komplette Pigmentierung in der Schwanzflosse. Dies gab es im alten Blue Grass Stamm nicht und ist scheinbar über die Lutino Guppys eingekreuzt worden. Beim ersten Männchen deutet sich sogar ein Doppelschwert an.

Männchen Red Grass mit fehlender Pigmentierung in der Caudale
Männchen Red Grass mit fehlender Pigmentierung in der Caudale
Männchen Red Grass mit fehlender Pigmentierung in der Caudale
Männchen Red Grass mit fehlender Pigmentierung in der Caudale

Ich denke mit diesen zwei Beispielen ist deutlich nachzuvollziehen auf welche Kriterien ich bei einer Negativselektion achte. Weitere sind Form der Flossen, Verlauf der Rücken- und Bauchlinie und schlicht die Größe der Tiere.

Selektion in der Guppyhochzucht

Wie in meiner Zuchtmethode beschrieben ist eine der wichtigsten Tätigkeiten in der Guppyhochzucht die Selektion der Zuchttiere. In diesem Beitrag möchte ich darauf näher eingehen.

Wann selektiere ich ?

Die erste Reduzierung nehme ich nach ca. einem Monat vor. Eine zweite nach zwei Monaten. Dabei spreche ich bewusst von einer Reduktion, denn die entscheidende Auswahl zur Zuchtgruppe findet erst nach drei Monaten statt.

Negativ-Selektion

Vorrangig dienen die beiden Selektionen der Reduzierung der Nahrungskonkurrenz, da hier die Anzahl der Weibchen und die zurückgebliebenen Tiere ausselektiert werden. Im zweiten Monat kommen dann auch noch Männchen hinzu die definitiv nicht zur Zuchtauswahl gehören sollen. Zu diesem Zeitpunkt ist unter der Voraussetzung detaillierter Erfahrungen mit seinem Stamm bereits anhand der Flossenform oder bestimmter Farbmerkmale ein nicht geeignetes Männchen durchaus erkennbar. Ich nenne diese beiden Selektionen auch „Negativ-Selektion“, denn es werden erst einmal nur nicht gewollte Tiere ausselektiert.

Positiv-Selektion – Der entscheidende Schritt

Die abschließende Zuchtauswahl kommt bei mir nach ca. drei bis dreieinhalb Monaten. Hier wird nicht nur nach Fischen geschaut, die definitiv nicht in die Zuchtgruppe kommen, sondern es wird jeder Fisch einzeln begutachtet. Damit dies im Rahmen bleibt sind die ersten beiden Selektionen notwendig und wichtig. Bei dieser Auswahl nutze ich mehrere kleine Becken.

Zwischenbecken
Zwischenbecken

Ein sehr kleines Becken nutze ich für die Einzelansicht. Eine kabellose kräftige Lampe, die flexibel auch in der Hand haltbar ist, sorgt dabei für eine gute Ausleuchtung. So erkenne ich sehr gut die Flossenstrahlen und Fehler, welche unter normalen Bedingungen teilweise nur schwer erkennbar sind. Insbesondere bei steigender Qualität des Stammes ist so eine vernünftige Auswahl möglich, da kleinste Mängel ins Auge fallen.

Kleines Becken zur Selektion mit flexibler Lampe
Kleines Becken zur Selektion mit flexibler Lampe

Dabei nehme ich die besten Fische einer Linie zur Fortpflanzung. Es ist für die Herdenzucht wichtig, dass nicht nur ein Männchen zur Weiterzucht kommt, sondern eben die besten der aktuellen Zuchtgruppe. Und das auch wenn einige noch etwas weiter vom Zuchtziel entfernt sind. Nach zweieinhalb Monaten erfolgt dann der Zuchtansatz, somit hatten die Zuchtmännchen ausreichend Zeit die Weibchen zu befruchten.

Mischerbige Ansätze bei Albino- und Lutinozucht

Bisher hatte ich durch die Herdenzucht meinen Albino- und Lutino-Ansätzen noch keine Probleme mit der Fertilität. Bei meinen Albinos schwimmt gerade Folgegeneration vier im Zuchtbecken. Beide Grundfarben gelten jedoch als recht problematisch mit zunehmender Generationenfolge (vgl. dazu DGLZ-Rundschau 4/1990 Seite 7ff. Artikel „Unfruchtbarkeit von Albino-Guppys“ von Hans Luckmann). Dieser Herausforderung begegne ich aktuell mit der Strategie, dass ich zusätzlich zu Herdenzucht mehrere Linien parallel laufen lassen. Bei der Herdenzucht sind die Geschlechter von Anfang an zusammen und die Weibchen können schon im jungen Alter befruchtet werden. Es scheint, dass die Männchen und Weibchen mit fortschreitenden Alter unfruchtbar werden. Dies könnte wiederum die Ergebnisse von Hans Luckmann erklären. Nun möchte ich auf längere Zeit eine Studie mischerbige Ansätze im Vergleich zu reinerbige Ansätze ansetzen. Dabei gilt es zu prüfen, ob die Herdenzucht alleine reicht bzw. ob eine Kombination von mischerbigen und reinerbigen Weibchen auch in der Herdenzucht langfristig sinnvoller ist.

Konzept der mischerbige Ansätze

Die Idee hinter mischerbigen Ansätzen ist der Fertilitätsproblematik beizukommen. Graue Tiere haben äußerst selten Fruchtbarkeitsschwierigkeiten, daher ermöglichen mischerbige Ansätze eine Art Absicherung gegen diese Problematik. Konkret werden neben Lutino-Männchen, Weibchen der Grundfarbe grau und Weibchen der Grundfarbe Lutino gehalten. Ab der F2 sind diese Tiere dann die phänotypisch grauen Nachkommen genotypisch mischerbig auf die rezessive Grundfarbe und werfen bei erneuter Paarung mit reinerbigen Lutino-Männchen zu 50% Albino und zu 50% Graue (mischerbige) Nachkommen. Bei den Albino-Stämmen kann analog verfahren werden.

Konkretes Vorgehen

Wie möchte diese Analyse im Detail umsetzen ? Ich werde eine Linie klassisch reinerbig mit der Herdenzucht weiterzüchten und parallel eine teils mischerbige Linie aufbauen. Diese mischerbigen Tiere sind in der F1 noch phänotypisch rein grau, jedoch ab der F2 fallen dann auch wieder Lutino-Guppys. Ich setze dabei im Verhältnis 3:2 (3 reinerbige Lutino zu 2 mischerbige Graue) bei den Weibchen weiter an. Bei jeder Generation werde ich die Anzahl der Weibchen und Männchen in den Ansätzen identisch wählen. Die zwei mischerbigen Grauen dienen sozusagen aus Sicherheitsnetz.

Die auswertung ?

Es gilt die Anzahl der Nachkommen in den Vergleichslinien zu ermitteln. Dazu zähle ich bei jeder Generation die Nachkommen der reinerbigen Lutino-Guppys. Somit ist eine Überprüfung und Vergleich der mischerbigen Ansätze und nur reinerbigen Ansätze möglich. Bisher habe ich nur festgestellt, dass die Anzahl der Nachkommen ausreichend ist, aber eine konkrete Auswertung habe ich nicht vorgenommen.

Besonders beunruhigend sind die Analysen von Hans Luckmann hinsichtlich der völligen Unfruchtbarkeit von rein- und mischerbigen Männchen nach mehreren Generationen. Als absolute Notmaßnahme kann ich jedoch auch auf meinen reinen grauen Stamm zurückgreifen und dann mit den misch- und reinerbigen Weibchen erneut eine Albino- oder Lutino-Linie aufbauen.

Rückkreuzung in der Herdenzucht

Wie auf der Seite „Meine Zuchtmethode“ zu lesen ist, nutze ich vorrangig die Herdenzucht. Da es bei der Herdenzucht länger dauert als bei der Linienzucht bis gewollte Merkmale sich verfestigen, nutze ich besonders gelungene Männchen aus der Vorgeneration der jeweiligen Linie für eine Rückkreuzung.

Vorteile der Rückkreuzung

Die Altmännchen aus der Vorgeneration bieten einige Vorteile. So sind diese bei mir in einem Alter von mindestens 7 Monaten ehe die Rückkreuzung vorgenommen werden kann. Dies bedingt sich durch den zeitlichen Ablauf der Herdenzucht. In der Herdenzucht entscheide ich größtenteils bereits nach 3 Monaten welche Männchen im Zuchtbecken verbleiben. Im Alter von 7 Monaten ist hingegen eine Qualitätseinschätzung der Männchen noch einmal deutlich besser möglich, als dies im Alter von 3 – 5 Monaten möglich war.  Insbesondere bei den von mir gezüchteten Triangel-Guppys zeigt sich hier, ob die Schwanzflosse im Triangel bleibt oder sich weiter nach außen wölbt. Die volle Größe und Färbung der Tiere ist sichtbar. Da die Männchen dann im Altmännchen-Becken verweilten ist deutlich geworden, ob es sich um ein wirklich fittes Tier handelt. Eine höhere Lebenserwartung scheint ebenfalls gegeben.

Hier ein Beispiel meines Japan Blue Red Grass Stammes. Die Formen dieses Männchens sind sehr überzeugend, so dass ich es derzeit zur Rückkreuzung nutze. Die Farbe und das Muster in der Schwanz- und Rückenflosse sind hingegen noch nicht auf dem gewünschten Niveau. Es ist jedoch mit Abstand das beste Männchen der F2.

Männchen der F2 für Rückkreuzung mit F3 bei meinen Japan Blue Red Grass
Männchen der F2 für Rückkreuzung mit F3 bei meinen Japan Blue Red Grass

Nachteile der Rückkreuzung

Eine Rückkreuzung wird üblicherweise zu Verfestigungen von Erbmerkmalen bei noch nicht erbfesten Stämmen genutzt. Dies verringert dabei langfristig die genetische Variabilität und kann einen Stamm schneller zum Degenerieren (Unfruchtbarkeit, kleiner Wuchs und viele Erbschäden) bringen.

Ist das in der Herdenzucht ein großes Problem ? Nun eher nicht, denn eine Onkel-Nichten-Verpaarung ist nicht so problematisch wie beispielsweise eine Vater-Tochter-Verpaarung (vgl. Michael Kempkes, Der Guppy, Seite 81). In der Herdenzucht sind die Onkel-Nichten-Verpaarungen eher zu erwarten aufgrund der Anzahl der Elterntiere.

Im Weiteren konkurriert das ältere Tier nun gegen die jüngeren Männchen der Herden. Daher setze ich das/die Männchen in der Regel schon nach einem Monat ein. So nutze ich die Chance der Erstbefruchtung durch das eingesetzte Männchen. Es ist aber zu erwarten, dass eher wenige Tiere bei den Würfen von dem Alt-Männchen stammen, da frischeres Sperma vorrangig befruchtet und die jüngeren Männchen im Laufe der nächsten Monate immer stärker zum Zuge kommen. Aber das ist meines Erachtens trotzdem völlig ausreichend und im Sinne meiner Herdenzucht.

Guppy Japan Blue Red Grass
Guppy Japan Blue Red Grass

Aggressive Guppyweibchen und Herdenzucht

In der Vergangenheit hatte ich gelegentlich Probleme durch aggressive Guppyweibchen. Dabei zog ich die Geschlechter nach deren Trennung getrennt auf und beobachtete mit zunehmenden Alter gelegentlich Kämpfe in den Weibchen-Becken. Besonders gut geformte sehr vitale Weibchen vertrieben andere Weibchen und schienen sich sogar in einigen Fälle eine Art Revier ausgesucht zu haben. Setzte ich eines dieser dominanten Weibchen zu einem Männchen als Zuchtpaar, musste ich mit ansehen, wie dieses Verhalten sich fortsetzte und das völlig unterlegene Männchen in den meisten Fällen nicht einmal einen Tag überlebte.

Vorgehen in der Vergangenheit

Was blieb mir übrig – ich selektierte diese Weibchen fortan für die Zucht aus. Dies war in sofern sehr bedauerlich, dass es sich meist um die besten Weibchen handelte im Sinne Vitalität und Körperform.

In der Fachliteratur findet man meist nur kurze Hinweise darauf. So beispielsweise in „Michael Kempkes – Der Guppy – Pflege und Hochzucht“ von 1996, hier steht auf Seite 72 unter „Die Auswahl und Verpaarung der Zuchttiere“: „Selten reagiert ein umworbenes Weibchen aggressiv auf Balz und Paarungsversuche des Männchens. Es ist sinnvoll, derartige Weibchen von der Zucht auszuschließen, um Verletzungen des körperlich unterlegenen Männchens zu vermeiden.“

Bei jedem Zuchtpaar beobachtete ich ca. 10 Minuten wie sie auf einander reagierten und konnte nach einigen Erfahrungen relativ schnell erkennen, ob das Weibchen tendenziell aggressiv ist.

Die Herdenzucht – keine aggressive Guppyweibchen

Seit ich nun die Herdenzucht verwende konnte ich dieses Phänomen noch nicht einmal wieder beobachten. Die Anwesenheit der Männchen seit den „Kindertagen“ führt scheinbar zu friedfertigeren Weibchen. Die Männchen hingegen sind sehr aktiv in der Balz und im Umwerben der Weibchen. Auch hier gab es vorher gelegentlich Probleme bei meinen Zuchtpaaren. Ohne Bedenken suche ich nun die attraktivsten und vitalsten Weibchen aus.

 

Update Zuchtmethode – Vorselektion

Bei einer Zuchtmethode bzw. beim konkreten Ablauf der eigenen Zucht sind oft auch die kleinen Details entscheidend. Daher möchte ich in diesem Beitrag auf ein Detail in meiner Herdenzucht hinweisen – die Vorselektion.

Die Vorselektion

Was meine ich mit Vorselektion ?

Wie in meiner Seite zu meiner Zuchtmethode beschrieben selektiere ich ab Monat Nummer drei die endgültige (oder fast endgültige) Zuchtherde aus. Da bei der Herdenzucht aber oft auch eine hohe Anzahl an Nachwuchs in den Becken schwimmen, ist es sehr wichtig vor diesem dritten Monat schon tätig zu werden.

Tut man nichts, dann wird der gesamte Zuchtansatz oft zu klein vom Wuchs oder nicht gesund sein. Diese Erfahrung habe ich schon gemacht und betreibe insbesondere bei großer Nachwuchsanzahl eine sehr konsequente Selektion VOR der eigentlichen Hauptselektion nach drei Monaten. Durch diese Selektionen wird sichergestellt, dass die Tiere ausreichend mit Futter versorgt sind und entsprechend wachsen. Die gesunkene Anzahl der Tiere reduziert zusätzlich den Stress der einzelnen Tiere.

Was wird selektiert ?

Wichtig ist die Selektion von im Wachstum zurückgebliebenen Fischen und die frühe Reduzierung der erkennbar Unpassenden, sowie Reduzierung der Weibchen. Insbesondere bei den Weibchen reduziere ich schnell die Anzahl. In einem Becken, wo dies nicht gemacht wurde konnte ich die negativen Auswirkungen gegenüber einer zeitgleichen Wurfgruppe gut erkennen. Nach bereits zwei Monaten war ein Größenunterschied von durchschnittlich 50% zu beobachten, daher selektiere ich nach dem ersten und zweiten Monat vor.

Der Ablaichkorb – eine Verbesserung bei der Herdenzucht

Auf Basis der vielen Klicks auf meine Seite Zuchtmethode schließe ich ein gewisses Interesse an der Zuchtmethode Herdenzucht. Daher möchte in diesem Beitrag über meine Verbesserung durch einen Ablaichkorb in Marke Eigenbau bei dieser Zuchtmethode berichten.

Ausgangssituation

Bisher habe ich um Verluste bei Nachzuchten durch die Fresslust der Weibchen zu reduzieren bzw. zu vermeiden das Sera Biofibres verwendet, dies habe ich bereits in meinem Beitrag „Erfolgreicher Ablaichen – ein Update zur Zuchtmethode“ vom 19.11.2017 dargestellt.

Ausgangssituation Ablaichen mit sera biofibres (grob)
Ausgangssituation Ablaichen mit sera biofibres (grob)

Im Laufe der Nutzung vom Biofibres ist dabei folgendes aufgefallen: Die Elterntiere verhakten sich gelegentlich und mussten von mir befreit werden. Auch wenn es keine Verluste gab, ist dies nicht im Sinne einer guten Tierpflege.

Im Weiteren konnte ich nicht leicht erkennen, ob sich Nachwuchs eingestellt hatte, dazu musste man teilweise die Filterwolle anheben.

Der Ablaichkorb – die bessere Alternative

Nach einigen Tests muss ich feststellen, dass für meine Herdenzucht der Ablaichkorb ideal ist. Ich kann eine Herde wunderbar in solch einem Korb halten. Dabei ist der Korb in der Größe variabel gestaltbar.

Die Nachteile des Biofibres sind hier nicht gegeben. Bisher habe ich kein Verhaken oder ähnliche Nachteile der Elterntiere feststellen können. Der Nachwuchs ist sofort erkennbar und die Futterversorgung ist, da jede Generation Ihre eigene Zone besitzt, frei schwimmen kann und sich nicht im Biofibres verstecken muss, gut gewährleistet. Ich konnte sogar feststellen, dass das Nachstellen gegenüber den eigenen Nachwuchs durch den stetigen Kontakt mit Jungfischen abgenommen hat.

Die reinen Stückkosten sind dabei äußerst gering. Für ungefähr 8 Körbe hatte ich folgende Kosten:

  • MASCHENGEWEBE in 1,2m Breite x 1m Kunststoffgitter kosten ca. 3 Euro
  • 100 Stück Kabelbinder 300 x 4,8 mm kosten ca. 7 Euro
  • Draht mit Kunststoffummantelung kostet ca. 5 Euro

Wobei die Kabelbinder und der Draht für weitere Körbe zur Verfügung stehen.

Bei meinen größeren Becken funktionierte das Einhängen an der Aquarienfrontscheibe nicht, hier habe ich den Korb einfach etwas größer gestaltet und auch auf der anderen Seite geschlossen. Diesen habe ich dann seitlich eingehangen. Sozusagen ein Ablaichkorb in der Version 2.0.

Hier noch einmal die Bastelanleitung im Video.