Lutino Red Grass – Generation F3

Im November letzten Jahres habe ich über die Lutino-Guppys aus meinem Kreuzungsexperiment Rückenflosse berichtet. Seitdem ist es mir gelungen die Linie weiter zu festigen. Die F4 der Lutino Red Grass schwimmt bereits in meinen Becken.

Aktuelles Aussehen

Die Männchen tendieren zu einer standardgerechten europäischen Rückenflosse, so wie in meinem Projekt Rückenflosse gewünscht. In der Regel ist diese sogar besser als im grauen Red Grass Stamm.

Lutino Red Grass Männchen

Die Rückenflosse ist im Alter von ca. 7 Monaten noch etwas zu kurz. Die Schwanzflosse hat in der Regel noch leicht abgerundete Ecken und ist ebenfalls etwas zu kurz, aber besticht mit einer sehr geraden Triangel-Begrenzung.

Lutino Red Grass Weibchen

Die Weibchen sind farblos und haben derzeit eine schmale Beflossung. Hier stellt sich die Frage, was noch rauszuholen ist… Die Körperform ist dafür sehr ansprechend und die gelbe Lutino-Grundfarbe kommt hervorragend zur Geltung.

Besonderheiten in der Zucht

Ich züchte die Lutino Red Grass mittlerweile mit mischerbigen Weibchen, da hier eine höhere Geburtenrate festzustellen ist. Die grauen mischerbigen Männchen werden dazu ausselektiert, dabei bleiben auch nur wenige graue mischerbige Weibchen für die Weiterzucht im Becken. Die grauen Weibchen sind somit eine Art Versicherung und liefern auch ca. 50% Lutino-Guppys. Auch sind die grauen Tiere hinsichtlich der Planbarkeit der Nachkommen angenehmer im Handling, bei den reinen Lutino-Weibchen kann einem schon mal der Angstschweiß auf der Stirn stehen, ob denn nun wirklich Nachwuchs kommt.

Wie geht es weiter mit den Lutino Red Grass ?

Bisher stelle ich die Linien Halbschwarz Weiß und die Grass Linie (Red Grass und Blue Grass) auf Ausstellungen aus. Da die anderen Linie noch nicht so weit sind, möchte ich in 2020 zusätzlich die Lutino Red Grass Linie ausstellen. Alternativ stand die Japan Blue Red Grass Linie zur Auswahl, diese ist zur Zeit aber noch zu instabil hinsichtlich der Färbung des Körpers, der Färbung der Schwanzflosse und in der Länge der Rückenflosse. Daher habe ich mich für die Lutino-Linie entschieden. Ich bin gespannt, wie die Bewertungen ausfallen und ob es mir gelingt eine angemessene Anzahl an Nachkommen zur richtigen Zeit auf die Beine zu stellen, denn das ist ja wie geschrieben eine der Herausforderungen der Linie.

Mischerbige Ansätze bei Albino- und Lutinozucht

Bisher hatte ich durch die Herdenzucht meinen Albino- und Lutino-Ansätzen noch keine Probleme mit der Fertilität. Bei meinen Albinos schwimmt gerade Folgegeneration vier im Zuchtbecken. Beide Grundfarben gelten jedoch als recht problematisch mit zunehmender Generationenfolge (vgl. dazu DGLZ-Rundschau 4/1990 Seite 7ff. Artikel „Unfruchtbarkeit von Albino-Guppys“ von Hans Luckmann). Dieser Herausforderung begegne ich aktuell mit der Strategie, dass ich zusätzlich zu Herdenzucht mehrere Linien parallel laufen lassen. Bei der Herdenzucht sind die Geschlechter von Anfang an zusammen und die Weibchen können schon im jungen Alter befruchtet werden. Es scheint, dass die Männchen und Weibchen mit fortschreitenden Alter unfruchtbar werden. Dies könnte wiederum die Ergebnisse von Hans Luckmann erklären. Nun möchte ich auf längere Zeit eine Studie mischerbige Ansätze im Vergleich zu reinerbige Ansätze ansetzen. Dabei gilt es zu prüfen, ob die Herdenzucht alleine reicht bzw. ob eine Kombination von mischerbigen und reinerbigen Weibchen auch in der Herdenzucht langfristig sinnvoller ist.

Konzept der mischerbige Ansätze

Die Idee hinter mischerbigen Ansätzen ist der Fertilitätsproblematik beizukommen. Graue Tiere haben äußerst selten Fruchtbarkeitsschwierigkeiten, daher ermöglichen mischerbige Ansätze eine Art Absicherung gegen diese Problematik. Konkret werden neben Lutino-Männchen, Weibchen der Grundfarbe grau und Weibchen der Grundfarbe Lutino gehalten. Ab der F2 sind diese Tiere dann die phänotypisch grauen Nachkommen genotypisch mischerbig auf die rezessive Grundfarbe und werfen bei erneuter Paarung mit reinerbigen Lutino-Männchen zu 50% Albino und zu 50% Graue (mischerbige) Nachkommen. Bei den Albino-Stämmen kann analog verfahren werden.

Konkretes Vorgehen

Wie möchte diese Analyse im Detail umsetzen ? Ich werde eine Linie klassisch reinerbig mit der Herdenzucht weiterzüchten und parallel eine teils mischerbige Linie aufbauen. Diese mischerbigen Tiere sind in der F1 noch phänotypisch rein grau, jedoch ab der F2 fallen dann auch wieder Lutino-Guppys. Ich setze dabei im Verhältnis 3:2 (3 reinerbige Lutino zu 2 mischerbige Graue) bei den Weibchen weiter an. Bei jeder Generation werde ich die Anzahl der Weibchen und Männchen in den Ansätzen identisch wählen. Die zwei mischerbigen Grauen dienen sozusagen aus Sicherheitsnetz.

Die auswertung ?

Es gilt die Anzahl der Nachkommen in den Vergleichslinien zu ermitteln. Dazu zähle ich bei jeder Generation die Nachkommen der reinerbigen Lutino-Guppys. Somit ist eine Überprüfung und Vergleich der mischerbigen Ansätze und nur reinerbigen Ansätze möglich. Bisher habe ich nur festgestellt, dass die Anzahl der Nachkommen ausreichend ist, aber eine konkrete Auswertung habe ich nicht vorgenommen.

Besonders beunruhigend sind die Analysen von Hans Luckmann hinsichtlich der völligen Unfruchtbarkeit von rein- und mischerbigen Männchen nach mehreren Generationen. Als absolute Notmaßnahme kann ich jedoch auch auf meinen reinen grauen Stamm zurückgreifen und dann mit den misch- und reinerbigen Weibchen erneut eine Albino- oder Lutino-Linie aufbauen.

Lutino Red Grass

Im Rahmen meines Projektes Rückenflosse bei Grass Guppys habe ich auch Lutino Red Grass Guppy in der F2 erwarten können und diese sind denn auch gefallen.

Die Lutino haben sich gut entwickelt und so möchte ich diesen Stamm einmal hier vorstellen. Ich freue mich dabei besonders über die gelungene Rückenflossenform, welche sich in der nunmehr hier gezeigten F2 weiterhin gut fortgesetzt hat.

Rückenflosse
Rückenflosse

Die Form entspricht nicht mehr dem asiatischen sondern deutlich dem europäischen Standard. Dabei sind die Tiere derzeit in einem Alter von drei Monaten. Es ist also noch eine weitere Verbesserung bei der Länge der Beflossung zu erwarten.

Nicht einmal ein Viertel des Nachwuchs aus der F1-Generation waren Lutino. Somit besteht die Zuchtgruppe F2 derzeit aus lediglich vier Weibchen und zwei Männchen.

Guppy Männchen aus der F1 (grau)
Guppy Männchen aus der F1 (grau)

Die Weibchen Lutino Red Grass

An den Weibchen kann die Grundfarbe Lutino sehr gut erkannt werden. Eine weitere Farbe ist nicht festzustellen. Die Flossenform ist ebenfalls unauffällig. Nun mal sehen, was sich hier noch herausholen lässt.

Guppy Weibchen Lutino Red Grass
Guppy Weibchen Lutino Red Grass

Lutino Red Grass mit durchsichtigen Flossen
Lutino Red Grass mit durchsichtigen Flossen

Die Männchen

Gelungen finde ich für die F2 das Grass-Muster und die Färbung. Das Lutino wandelt das rot in ein schönes Orange, was mir sehr gefällt. Die Dorsale übertrifft meine Erwartungen. Die Caudale ist ein guter Anfang von der Form, wobei über die Länge erst in zwei Monaten abschließend zu urteilen ist. Zu verbessern gilt es in den folgenden Generationen:

  • Körperfärbung
  • Verfeinerung des Grass-Musters
  • Größe der Beflossung
  • Form des Triangel der Schwanzflosse

Guppy Männchen Lutino Red Grass
Guppy Männchen Lutino Red Grass